Tramontana

Wieder einmal wird die arme Elsa kräftig geschüttelt. Tramontana bis 40 Knoten und niemand ist auf dem Wasser. Das bedeutet, es ist zu viel Wind. Zumindest hier in Le Goulet ist der Wind extrem böig, also wollen wir schauen, wie es an anderen Spots aussieht. Der Tramontana und sein Bruder der Mistral entstehen, wenn durch Druckunterschiede, Luftmassen zwischen Pyrenäen und Cevennen (Tramontana) hindurch und durch das Rhonetal (Mistral) gesaugt werden. Beide Winde sind sehr stark und weil es Luft aus dem Norden ist auch sehr kalt. Sie treten, weil sie die gleiche Ursache haben, gleichzeitig auf, daher sieht es dann bis Marseille nicht anders aus. An Flucht ist also nicht zu denken. In La Franqui fliegt das Wasser auch schon und im Parc à Huitres misst Uwe 50 Knoten. Das ist wohl zwecklos. Wir verstecken uns am Leuchtturm.

Und dann kommen hier auch noch Carmens Freunde vorbei.

Den Abend verbringen wir im Windschatten in dem kleinen Örtchen Fitou mit grandiosem Blick über den Étang de Leucate zum Meer. Hier oben auf dem Berg waren wir noch nie, weil wir solche extremen Windverhältnisse, bei denen fast niemand mehr auf dem Wasser war, hier noch nicht erlebt haben.

Nichts für Weicheier

Die ganze Nacht über haben Windböen das Womo geschüttelt und morgens bläst es anständig aus NW mit 30 Knoten. Carmen versucht es mit ihrem 3.0 und Uwe mit 4.3. Wie bereits gestern, ist der Wind extrem böig, der Etang ist extrem kalt, der Wind macht es nicht besser. In der Mittagspause haben wir uns schon Mal Surfspots auf Limnos angeschaut und eine Mail an Linostravel geschrieben, um Fährverbindungen anzufragen. Wir wollen einfach noch ein bisschen im Warmen surfen.

Nach der Mittagspause geht es dann in die 2. Runde.

Leucate ist ja für ruppigen Starkwind bekannt, aber so schlimm hatten wir es nicht in Erinnerung. In einem  Moment ist kein Wind da und im nächsten Augenblick bläst es mit 32 Knoten. Waschgänge sind somit vorprogrammiert. Auf den Fotos sieht das alles harmlos aus, aber selbst beim Tragen des Materials muss man aufpassen, was man macht damit einem das Brett und das Segel nicht um die Ohren fliegt.

Trübes Wetter

Nachts regnet es wieder einmal und morgens verpassen wir sogar den Bäcker Marco, der hier normalerweise immer Baguettes und Croissant bringt, dabei hätten wir ihn ausgerechnet heute dringend gebraucht, weil unser Brotschrank vollkommen leer ist. Also müssen wir im Ostfriesennerz ins Dorf laufen.

Das ist schon Mal die Einstimmung auf Skandinavien. Hahaha! Wir haben uns heute morgen entschieden, dass wir bei trüber Großwetterlage im Juni einfach unsere Skandinavienpläne verschieben und nach Griechenland und Albanien aufbrechen. Das ist der Vorteil am Wohnmobilreisen! Man kann ganz spontan seine Pläne ändern.

Am Nachmittag hat dann der Wettergott doch noch Mitleid mit uns. Der Regen hört auf und Uwe kann mit dem 15 er Kite raus und Carmen versucht es mit 5.3. Der Wind war extrem böig, daher war es nicht sehr entspannt, aber Wind ungenutzt verstreichen lassen, geht natürlich auch nicht.

Surfen in Le Goulet

Nachts hat es furchtbar gestürmt und geregnet, deshalb war morgens Langschläferprogramm angesagt. Anschließend sind wir unsere Lieblingsspots angefahren, um zu entscheiden, wo wir die nächsten Tage bleiben. Le Vignoble ist unverändert schön, aber leider kommt bei Mistral aus NW der Wind dort erst spät rein und außerdem ist viel Wasser in der Lagune von La Palme. Das ist dort immer stark von Wind und Wetter abhängig. Manchmal muss man ewig laufen, bis man genug Wasser unter der Finne hat, heute müsste man aus der Abdeckung schwimmen. Außerdem darf man hier nicht übernachten, nur surfen und tagsüber parken.

Daher fahren wir nach Le Goulet und gehen dort aufs Wasser. Früher war Le Goulet ein Freistehplatz mit unangenehm dominanten Platzhirschen. Einige Deutsche haben geglaubt, dass sie entscheiden können, welche Plätze für ihre Freunde frei gehalten werden. Uns hat das immer genervt und wir waren eigentlich froh, als die Gemeinde daraus einen kostenpflichtigen Platz mit Schranke gemacht hat. Die Surfbedingungen sind heute wirklich gut hier, aber nur Carmen hat Spaß, weil Uwes Mast bricht und mit einem anderen Mast zieht sein 6.7 er Segel nicht richtig und mit Carmens 5.9 er ist er dann auch nicht zufrieden…….. Also es war nicht Uwes Glückstag.

Und mittlerweile gibt es hier eine richtig gemütliche Surferkneipe.

Céret

Den Vormittag nutzen wir auf dem tip-top gepflegen Campingplatz wieder einmal zum Großreinemachen und vertreiben uns die Wartezeit mit Lesen.

Anschließend sehen wir uns das hübsche Künstlerörtchen Céret an.

Auch dieser Herr auf dem Bild liebte das katalanische Städtchen, in dem besonders früh, meist schon im April, die Kirschen reifen. Als Hommage an Pablo Picasso wurde dieser Brunnen errichtet.

Im Schatten alter Platanen haben wir uns einen leckeren Mittagssnack gegönnt.

Selbst die Verkehrsschilder sind hier künstlerisch gestaltet.

Am frühen Nachmittag brechen wir mit gemischten Gefühlen nach Leucate auf. Es ist Mistral gemeldet, also wollen wir unbedingt wieder ans Meer, aber auf der anderen Seite wissen wir nicht, was uns dort erwartet. Wenn alles stimmt, was man in den einschlägigen Foren liest, macht dort die Polizei jetzt Jagd auf Wohnmobile. Unseren Lieblingsplatz in La Franqui gibt es ganz sicher nicht mehr und auch der offizielle Stellplatz am Meer soll geschlossen sein. Das ist natürlich eine radikale Aktion der Gemeinde. Durch das Surfen hat der windreiche Ort Weltruhm erlangt, aber abgesehen von der Mondial du Vent, will man nun von den Surfern nichts mehr wissen. Ausschließlich Verbote, ohne legale Möglichkeiten zu schaffen, ist sicher keine Lösung auf Dauer. Leucate lebt schließlich fast ausschließlich vom Tourismus und den Surfern, weil normalen Badegästen der Wind hier viel zu stark ist. Wir fahren zunächst einmal Eole an und warten was die Polizei meint, wenn sie kommen sollte. Hier ist es unverändert schön, allerdings ist der Platz fast vollständig leer.

Unser Canyoning-Guide Jean hat uns noch ein paar Bilder von unserer gestrigen Tour geschickt. Die haben wir in den Beitrag von gestern eingefügt.