Reisezeit
Wir waren wohl etwas zu früh unterwegs. April/ Mai wäre sicher besser gewesen. Wir haben den ein oder anderen Regenschauer erwischt und mussten unsere Reise ins Landesinnere aufgrund von Schnee verschieben. Das Wetter immer im Blick zu behalten, war schon ein Eiertanz, aber im Großen und Ganzen war es in Ordnung. Zwei Tage in Zentralanatolien waren sehr trüb, aber glücklicherweise hatten wir für diese Tage sowieso den Besuch von Museen geplant. Im Ramadan oder während des Zuckerfestes zu reisen, ist in der Türkei überhaupt kein Problem.
Stellplatzsituation
Man findet, wenn man die ausgetretenen Pfade verlässt, immer noch traumhaft schöne Stellplätze. Auch an den absoluten Highlights, wie der Düne von Patara darf man Übernachten. Besonders einfach war die Stellplatzsituation in Kappadokien. Selbst ohne P4night konnte man sich irgendwo niederlassen, wenn man nicht gerade den Ballons im Weg stand. Wir waren 4 mal auf einem Campingplatz. Antalya und Tarsus sind einfach zu groß zum Freistehen und am Köyçeğiz- See und am Strand von Sarigerme hat uns der Platz einfach gut gefallen. Da wäre Freistehen die schlechtere Wahl gewesen. Wir sehen das nicht soo dogmatisch. Wenn ein Campingplatz gut ist und alles bietet, was uns wichtig ist, warum sollte man dann nicht dort bleiben? Manche Campingplätze in der Türkei sind allerdings reine “ Kleingartenkolonien“ und da lassen wir uns nur im äußersten Notfall drauf ein.
Sehenswürdigkeiten
Ausgrabungsstätten gibt es hier wie Sand am Meer und meistens sogar kostenlos. Wir haben uns einige Ausgrabungsstätten angeschaut. Außerdem konnten wir 2 Karavansereien und unzählige Moscheen besichtigen. Die Natur ist wunderschön, wird nur nach unserer Meinung zu stark vermarktet. Vor allem im Norden der Ägäis ( Bodrum, Marmaris) verschwindet jeder landschaftliche Charme, weil ganze Hügelketten zugebaut wurden. Genau so schlimm ist der Küstenabschnitt zwischen Antalya und Alanya ! Riesenhotel neben Riesenhotel! Dort wo keine Hotelkomplexe sind ist die Landschaft unter Folie versteckt. Im Norden sind die Gewächshäuser noch relativ niedrig, weiter im Süden sind sie riesig, weil Bananenplantagen darin vor Wind geschützt werden. Im Landesinneren von Anatolien stößt man dagegen noch auf wunderschöne Highlights, die niemand interessieren. Weit weg von Flughäfen und Massenquartieren werden auch keine Jeepsafaris angeboten. Selbst der Touristenmagnet Pamukkale hat sich wirklich gelohnt.
Kritik
Trotzdem stört uns einiges in der Türkei. An der nördlichen Ägäis-Küste war eine enorme Polizeipräsenz. Ständige Kontrollen. Im Süden war es deutlich weniger. Ob es an Schlepperbanden liegt, die immer noch aktiv sind? Wir wissen es nicht. Es gibt sehr viele Plätze mit Videoüberwachung. Am Anfang hat uns das gestört. Irgendwann haben wir es ignoriert.
Der leidige Müll! Wir räumen normalerweise auf. Wir sammeln also Müll, der nicht uns gehört. In der Türkei mussten wir resignieren. Wir hätten einen Container gebraucht. Um die Luxusresorts wird allerdings aufgeräumt. Die sind blitzsauber und tiptop. Natürlich lassen nicht alle Türken ihren Müll liegen, aber doch sehr viele.
Der Massentourismus und seine Auswirkungen stört uns auch. Wir werden also nicht wieder kommen und haben unsere Reise stark verkürzt. Istanbul haben wir ganz weggelassen.
Der enorme Kontrast zwischen reich und arm macht uns betroffen. Am Rand von Izmir oder Konya haben wir fürchterliche Wellblechhütten- Slums gesehen und kleine Bergdörfchen sind eigentlich auch vernachlässigt, obwohl 20 Kilometer weiter der Tourismus boomt. Moscheen sind in völlig heruntergekommenen Dörfchen blitzsauber und fast neu. Irgendwie passt das nicht. Wie kann das sein?
Gut gefallen hat uns das hervorragende Straßennetz. In Griechenland ist das Durchfahren von Ortschaften eine echte Herausforderung. In der Türkei ist das überhaupt kein Problem. Geärgert hat uns, wie schwierig es war eine türkische Karte zur Benutzung der Autobahn zu bekommen. Dazu brauchte es 5 Anläufe. Dabei könnte das doch alles so einfach sein. Man könnte jetzt behaupten, dass wir uns besonders dumm angestellt haben, aber wir haben alle Europäer gefragt und alle hatten sie das gleiche Problem.
Wir hatten auch fast nie Probleme mit Leuten, die uns ungefragt etwas aufdrängen wollten. Das gibt es hier fast überhaupt nicht. Wenn jemand einen anspricht, kann man eigentlich darauf vertrauen, dass es echtes Interesse ist und kein Geschäftstrick. Aus Marokko kennen wir das ganz anders.
Frauen sind hier viel seltener vollkommen verschleiert als in Völklingen, um nur ein Beispiel zu nennen. Viele junge Frauen sind total modern und offen. Ältere Frauen in ländlichen Regionen tragen ein Kopftuch, sind aber sonst normal gekleidet. Lediglich in Zentralanatolien waren noch sehr viele Frauen in schwarzen Gewändern mit Kopftuch unterwegs, während die Männer vollkommen westlich gekleidet sind.
Streuner sieht man wesentlich seltener als in Griechenland. Woran das liegt? Wir wissen es nicht. Natürlich haben wir uns anfänglich Sorgen gemacht, dass Mona Streit mit einem Kangal anfängt. Aber es sind uns nur ganz selten Mischlinge begegnet, die immer sehr freundlich waren. Wir haben natürlich auch Kangals gesehen, die aber ihre Herde nicht verlassen haben. Wieso es in deutschen Tierheimen überhaupt Kangals gibt, ist uns ein Rätsel. Eigentlich müssen sie illegal über die Grenze gebracht worden sein. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass Kangals, wenn sie eine Aufgabe haben umgänglich sind und die Hirten sie auch unter Kontrolle hatten. Vetstörte Kangals, die nicht zu bändigen sind, kennen wir nur aus Deutschland.
Ein Punkt, der für uns das Reisen in der Türkei auch schwierig gemacht hat, fast niemand spricht Englisch. Man lernt in türkischen Schulen keine Fremdsprachen. Warum? Wir wissen es nicht.