Surfen in Le Goulet

Nachts hat es furchtbar gestürmt und geregnet, deshalb war morgens Langschläferprogramm angesagt. Anschließend sind wir unsere Lieblingsspots angefahren, um zu entscheiden, wo wir die nächsten Tage bleiben. Le Vignoble ist unverändert schön, aber leider kommt bei Mistral aus NW der Wind dort erst spät rein und außerdem ist viel Wasser in der Lagune von La Palme. Das ist dort immer stark von Wind und Wetter abhängig. Manchmal muss man ewig laufen, bis man genug Wasser unter der Finne hat, heute müsste man aus der Abdeckung schwimmen. Außerdem darf man hier nicht übernachten, nur surfen und tagsüber parken.

Daher fahren wir nach Le Goulet und gehen dort aufs Wasser. Früher war Le Goulet ein Freistehplatz mit unangenehm dominanten Platzhirschen. Einige Deutsche haben geglaubt, dass sie entscheiden können, welche Plätze für ihre Freunde frei gehalten werden. Uns hat das immer genervt und wir waren eigentlich froh, als die Gemeinde daraus einen kostenpflichtigen Platz mit Schranke gemacht hat. Die Surfbedingungen sind heute wirklich gut hier, aber nur Carmen hat Spaß, weil Uwes Mast bricht und mit einem anderen Mast zieht sein 6.7 er Segel nicht richtig und mit Carmens 5.9 er ist er dann auch nicht zufrieden…….. Also es war nicht Uwes Glückstag.

Und mittlerweile gibt es hier eine richtig gemütliche Surferkneipe.

Céret

Den Vormittag nutzen wir auf dem tip-top gepflegen Campingplatz wieder einmal zum Großreinemachen und vertreiben uns die Wartezeit mit Lesen.

Anschließend sehen wir uns das hübsche Künstlerörtchen Céret an.

Auch dieser Herr auf dem Bild liebte das katalanische Städtchen, in dem besonders früh, meist schon im April, die Kirschen reifen. Als Hommage an Pablo Picasso wurde dieser Brunnen errichtet.

Im Schatten alter Platanen haben wir uns einen leckeren Mittagssnack gegönnt.

Selbst die Verkehrsschilder sind hier künstlerisch gestaltet.

Am frühen Nachmittag brechen wir mit gemischten Gefühlen nach Leucate auf. Es ist Mistral gemeldet, also wollen wir unbedingt wieder ans Meer, aber auf der anderen Seite wissen wir nicht, was uns dort erwartet. Wenn alles stimmt, was man in den einschlägigen Foren liest, macht dort die Polizei jetzt Jagd auf Wohnmobile. Unseren Lieblingsplatz in La Franqui gibt es ganz sicher nicht mehr und auch der offizielle Stellplatz am Meer soll geschlossen sein. Das ist natürlich eine radikale Aktion der Gemeinde. Durch das Surfen hat der windreiche Ort Weltruhm erlangt, aber abgesehen von der Mondial du Vent, will man nun von den Surfern nichts mehr wissen. Ausschließlich Verbote, ohne legale Möglichkeiten zu schaffen, ist sicher keine Lösung auf Dauer. Leucate lebt schließlich fast ausschließlich vom Tourismus und den Surfern, weil normalen Badegästen der Wind hier viel zu stark ist. Wir fahren zunächst einmal Eole an und warten was die Polizei meint, wenn sie kommen sollte. Hier ist es unverändert schön, allerdings ist der Platz fast vollständig leer.

Unser Canyoning-Guide Jean hat uns noch ein paar Bilder von unserer gestrigen Tour geschickt. Die haben wir in den Beitrag von gestern eingefügt.

Wir stürzen uns in rauschende Gebirgsbäche (neudeutsch: Canyoning)

Das wollten wir schon seit einiger Zeit machen, hatten aber bisher nie die Gelegenheit. Gestern haben wir dann eine Mail bekommen, dass ganz in unserer Nähe heute eine Canyoning-Tour stattfindet, an der wir noch teilnehmen können. Also stehen wir ausnahmsweise um 8 Uhr auf und fahren zum Treffpunkt nach Céret.

Zum Glück werden wir mit richtig dicken (5,5 mm) Neoprenanzügen ausgestattet.

Angeblich war es ja die Anfängertour, zumindest hat Uwe das behauptet und wir haben nachgelesen, es stimmt tatsächlich. Wenn das die Anfängertour war bleibt Carmen wohl für den Rest ihrer Tage Anfängerin. Sich 15 m in einem Wasserfall abzuseilen, wenn man nicht gerne Wasser im Gesicht hat, ist wirklich nicht angenehm.

Sprünge vom Felsen in kleine Gumpen, sollte man umgehen können, stand im Prospekt. 2 Meter zählt halt nicht als Sprung. Schwimmen in ganz schwarzen Höhlenlöchern ist auch nicht unbedingt Carmens Ding. Trotzdem hat es Spaß gemacht und eine kindertaugliche Anfängertour kann man durchaus noch einmal machen, aber Uwe wird es wohl nie schaffen, Carmen zu einer Experten- oder Sporttour zu überreden.

Für alle, die jetzt Mal ein Video vom Canyoning sehen wollen: Canyon d’eau chaude de Thuès

Wir haben leider zu spät gelesen, dass es diese Alternative auch gegeben hätte, denn heißes Wasser wäre heute nicht schlecht gewesen. Trotz der dicken Neos haben alle zum Schluss gebibbert.

Unsere Hunde wollten natürlich auch ein bisschen Canyoning erleben, deshalb sind wir mit ihnen nochmal über einen Wanderweg zum Ausstiegspunkt der Tour gelaufen.

Vom Ausgangspunkt unserer Canyoningtour hatte man diesen wunderschönen Blick bis zum Mittelmeer. Eigentlich wollten wir hier übernachten, aber wir haben einfach keinen waagerechten Stellplatz gefunden. Deshalb sind wir nach Maureillas Las Illas auf den Camping Municipal gefahren, wo man für 8,94 € übernachten, duschen und entsorgen kann. Solche Möglichkeiten müsste es viel öfter geben.

Die Bilder von unserem Canyoning-Guide Jean:

Gleich zu Anfang gibt es die erste Herausforderung inklusive Naturdusche.

Manchmal war es einfach, es ging nur durch knietiefes Wasser.

Uwe schaut todesmutig in die Tiefe: da geht es nachher 17 Meter nach unten und es gibt keinen Weg mehr zurück.

Das war unsere gesamte Truppe, eine französische Familie mit 2 Söhnen und wir.

5 Meter Sprünge in dunkle Badegumpen sind nicht jedermanns Sache, aber Uwe hat damit kein Problem.

Die letze Abseilstrecke in einen dunklen Badegumpen war 12 Meter lang und ein ziemlisch feuchtes Vergnügen.

GESCHAFFT!

Wir verlassen Spanien

Wir tuckern über Barcelona in die Berge, genau genommen in die Pyrenäen.Die iberische Halbinsel haben wir damit komplett umrundet. Für die nächsten Tage ist kein Wind gemeldet, also wollen wir uns noch ein bisschen dort umsehen. Die Pyrenäen haben wir vor 20 Jahren bei unserem ersten Wohnmobilurlaub mit unserem blauen VW Syncro Martha kennen und lieben gelernt. Seitdem waren wir an windstillen Tagen schon öfter von Leucate hierher gefahren.

Unsere Mittagspause verbringen wir in Sant Martí de Centelles. nichts Besonderes nur ein stilles, kleines Dörfchen in der Nähe der Autobahn. Von hier geht es bis Prats-de-Mollo-la-Preste, ein hübsches Städtchen in den Pyrenäen, das eine Befestigungsanlage des Baumeisters Vauban hat.

Dazu müssen wir zunächst den Col d’Ares in 1500 m Höhe überwinden und schon sind wir in Frankreich. Wir waren jetzt seit fast 2 Monaten, nach unserer Rückkehr aus Marokko, in Spanien und haben nur positive Erfahrungen mit Wohnmobilstellplätzen gemacht und keinerlei Ärger beim Freistehen mit der Guardia Civil gehabt. Außerhalb der Hauptsaison ist man also als Wohnmobiltourist in Spanien durchaus willkommen. Wir müssen für das nächste Mal nur noch ein bisschen Spanisch lernen, auch wenn die jüngeren Spanier mittlerweile recht gut Englisch sprechen. Heute haben wir uns genau 326 km in Richtung Heimat bewegt, ein bisschen merkt man das auch an den Temperaturen. Wir müssen die Flip-Flops erst einmal weg legen und zum Erkunden des Städtchens die Turnschuhe auskramen.

Der Stellplatz liegt am Ufer der Tech und bis zum Orstzentrum sind es nur wenige Gehminuten. Der Ort ist ein bisschen verschlafen, hat aber durchaus reizvolle Ecken.

Es gibt hübsche Kirchen und Kapellchen und witzig bemalte Hauswände.

Durch die Stadtmauer sieht man das von Vauban erbaute Fort Lagarde.

Die hölzerne Eingangstür der Église Saintes Juste et Ruffine zeigt noch original erhaltene Eisenbeschläge mit Spiralmotiven.

Aus unserem Schlafzimmerfenster können wir die in den Farben der Tricolore angestrahlte Stadtmauer bewundern. Na dann: „Bonne Nuit!“.

Fazit Ebrodelta

Wir waren 10 Tage hier im Ebrodelta und obwohl wir eine Schlechtwetterperiode überbrücken mussten, fanden wir es für uns Strand- und Surffans großartig.

Reisezeit

Man muss hier im Frühjahr sein, weil wegen der riesigen, ständig unter Wasser stehenden Reisfelder, sonst zu viele Moskitos unterwegs sind. Wir haben hier bis Anfang Mai keine Probleme gehabt.

Stellplätze

Es gibt 2 offizielle, kostenlose Stellplätze, die angenehm und schön sind: einen in Deltebre am Ebro und einen am Casa da Fusta, inmitten der Bewässerungskanäle und Reisfelder. Angeblich wird es beim Übernachten an anderen Stellen teuer, berichten die einen. Andere sagen, dass in der Nebensaison nichts passiert. Allerdings stehen eindeutige Schilder da, die das Nachtparken verbieten. Weil es legale, schöne Alternativen gibt, haben wir es am Anfang gar nicht riskiert. Zum Schluss haben wir uns dann doch getraut, weil die Spanier mit Wohnmobilen gemeint haben, dass es nur im Sommer Ärger gibt.

Surfbedingungen

Am Trabucadorstrand sind für uns die Bedingungen ideal, Flachwasser und je nach Windrichtung ist die Bucht stehtief. Wir hatten sehr viel Wind, ob das typisch ist, können wir nicht sagen. Natürlich kann man am Trabucadorstrand auch ins offene Mittelmeer in die Wellen. Wir hatten eine Windausbeute von 90%.

Sehenswürdigkeiten

Tolle befahrbare Riesenstrände, ein gutes Radwegenetze, Vogelbeobachtungsstationen, aber die Orte sind durch die Landwirtschaft geprägt und eher nichtssagend, gut zum Einkaufen, hin und wieder eine passable Kneipe, aber sonst eher langweilig.

Abschied vom Ebrodelta

Eigentlich sollten wir heute noch einmal die gleichen Bedingungen wie gestern haben, aber leider hatten sich die Meteorologen Mal wieder geirrt.

Zuerst Lesen stimmte ja noch, aber leider reichte es nicht fürs Surfen, nur für Uwes großen Kite.

Gut, dann werden wir morgen weiter nach Norden reisen.

Für den Sonnenuntergang kamen wieder viele hüpfende junge Menschen an den Strand, um Fotos zu machen. Uns erschließt sich immer noch nicht, was wir da verpasst haben. In unserer Jugend ging man höchstens zum Händchenhalten und Sundowner trinken an den Strand. Aber der Sonnenuntergang lässt sich davon nicht beeindrucken.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Heute gibt es wieder das gleiche Programm, wie gestern: Lesen und Faulenzen am Strand, bis der Wind stark genug zum Kiten oder Surfen ist.

Uwe versucht noch einmal Sanna als Schlittenhund einzuspannen und dann sieht man schon wieder die ersten Kites am Himmel.

Wir surfen wieder bis in die Abendstunden und Carmens Problemmanöver Wasserstart scheint sich tatsächlich erledigt zu haben. Es klappt aus allen Segellagen und nachträglich versteht man gar nicht mehr, wo vorher das Problem lag.

Abends kann man hier den Superkitern vom Steg aus beim Posen zuschauen und verwunschene Prinzessinen beim Fotoschooting begutachten.

Uwe schaut mit seiner Liebsten vom Wohnmobil aus fasziniert zu.

Die Spanier überzeugen uns davon, dass man trotz Verbotsschildern hier problemlos übernachten könnte, also wagen wir es und genießen den Sonnenuntergang.

Wechselbäder

Ob das Wetter hier im Ebrodelta immer so wechselhaft ist oder ob es an der derzeitigen Wetterlage liegt, wissen wir auch nicht, aber heute hatten wir wieder das volle Programm. Morgens sah es zunächst nach einem Regentag aus, daher sind wir zum Entsorgen und Gastanken gefahren. Dann klarte es etwas auf und wir sind zum Strand zum Spazieren und Lesen gefahren. Das Wasser war spiegelglatt in der Lagune und kein Lufthauch war zu spüren.

Und weil dann so gar nichts los war, mussten wir ein bisschen Quatsch machen. Wir haben immer wieder Leute gesehen, die Hüpfbilder machen. Das wollen wir auch! Aber das ist gar nicht so einfach und der Sinn erschließt sich uns auch nicht.

Den Hunden war das schnell langweilig! Lieber als auf der schönen Uferpromenade an der Lagune zu liegen, wollen sie am Strand herumrennen.

Und dann plötzlich um 17.00 Uhr fährt der Wind in Sekundenschnelle von Null auf 25 Knoten hoch. Carmen war mit dem 4.3 überpowert, schaffte aber wieder mehrere Wasserstarts, ohne langes Schwimmen, einfach Rigg aus dem Wasser und los geht’s. So hatte sie sich das immer vorgestellt!

Uwe konnte mit 5.3 sogar springen, leider gibt es davon kein Foto. Also letztendlich noch einmal ein Super Tag.

Die Qual der Wahl

Heute Morgen schien endlich die Sonne und es war trotzdem Wind. Also schnell vom Casa de Fusta zum Trabucadorstrand.

Die Flamingos lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

Carmen entdeckte in der angeblich überall stehtiefen Lagune ein Loch und musste endlich unter Beweis stellen, dass sie tatsächlich Fortschritte beim schwimmend Ausrichten des Bretts gemacht hat. Es besteht also noch Hoffnung, dass sie das Lernziel des Sabbatjahrs erreicht. Zumindest haben heute mehrmals hintereinander die Wasserstarts geklappt.

Dann probiert Uwe fast die gesamte Segelpalette durch. Mit 6.7 und 5.3 geht es los und ganz zum Schluss versucht er es noch mit 4.3. Auch er hat mittlerweile festgestellt, dass bei Südwind wohl sehr viel mehr Wasser in der Lagune läuft, außerdem Wellen entstehen und nicht nur Carmen in schwarzen Löchern verschwindet.

Zum Schluss geht Carmen mit 4.3 aufs Wasser, Uwe mit 5.9, beide überpowert, aber irgendwann muss das Umriggen ja aufhören. So oft haben wir uns wohl noch nie bei der Segelgröße verschätzt, aber neue Reviere haben oft so ihre Tücken.