Abschiedstag in Valdevaqueros

Wir genießen noch einmal einen letzten, wunderschönen Tag in Valdevaqueros. Der Abschied fällt uns richtig schwer, weil es uns hier von Tag zu Tag besser gefallen hat. Das haben wir bisher auf unserer Reise noch nicht erlebt. Normalerweise müssen wir immer weiter, etwas Neues entdecken. Wir kommen auf jeden Fall noch einmal hierher zurück. Aber jetzt geht es erst einmal nach Afrika, morgen nehmen wir die 11 Uhr-Fähre nach Tanger.

Sanna und Mina wollen scheinbar nicht mit. Sie haben eine schwedische Familie aus Malmö um Asyl gebeten. Leider sind die Bilder nicht auf der Speicherkarte gelandet, wir sind so entspannt, dass wir vergessen hatten, die Karte wieder in den Fotoapparat zu stecken.

Entwarnung

Alles gut, wir fahren nicht nach Hause! Man lernt nie aus! Gestern Abend hat unser Sohn angerufen und uns erzählt, dass es in Tarifa einen deutschen Oralchirurgen gibt. Dort sind wir dann schnell hingefahren, obwohl die Arzthelferin uns am Telefon abwimmeln wollte. Der Arzt war großartig und hat sich alles angeschaut und sich die Röntgenbilder der spanischen Kollegin und des deutschen Arztes kommen lassen und von einer OP abgeraten und gemeint, dass wir nach Marokko können. Blöd ist, dass die spanische Ärztin nicht verraten wollte, dass ein Spezialist um die Ecke ist und dass es der ADAC nicht wusste, obwohl er ja genau damit wirbt.

Zur Entschädigung gab es dann noch einen Superwindtag. Bei solchen entfesselten Urgewalten trauen wir uns (noch) nicht aufs Wasser. Aber wir wollen daran arbeiten und sind erst einmal glücklich, dass wir unserer Reise fortsetzen können. Allerdings wurde uns abgeraten, schon morgen nach Marokko überzusetzen weil die armen Hundetiere die Überfahrt im Wohnmobil unter Deck verbringen müssten und wir nicht wissen, ob sie bei dem Geschaukele seekrank werden. Aber dann wohl übermorgen, wenn nichts mehr dazwischen kommt, verlassen wir den europäischen Kontinent.

Waschtag

Heute mussten wir mit unserer armen Hundemaus noch einmal zum Tierarzt. Die Entzündung ist zwar schon besser, aber wir müssen noch einmal wieder kommen. Sanny bekommt wieder 2 Spritzen und findet den netten Tierarzt so schrecklich, dass sie ihn keines Blickes würdigt. Wir. machen das Beste aus der verzögerten Abreise und machen noch einmal Hausputz. Marokko soll ja schließlich einen guten Eindruck von uns haben. Der Reisedreck von 3 Monaten wird von Uwe mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet, Carmen wäscht noch einmal alle Hundeunterlagen, damit sich Sannas Bakterien nicht wohl fühlen und dann auch noch unsere verschwitzten Shirts. Hier gibt es nämlich für Camper etwas Geniales: Eine Tanke, mit Entsorgung, Versorgung mit Frischwasser und Gas, Waschsalon, Hochdruckreiniger und Hundewäsche.

Außerdem müssen wir ja noch 20 Kopien von unseren Fiche machen. Ein Fiche ist in Marokko ein Dokument mit den Personalien. Die marokkanische Polizei, will von Ausländern von Zeit zu Zeit alle möglichen Angaben und wenn man kein vorgedrucktes Formular mit allen Angaben dabei hat, wird daraus, aus welchem Grund auch immer, eine zeitraubende Geschichte. In unserem Reiseführer stand, dass man 50 Fiche braucht. Wir konnten das nicht so wirklich glauben und haben nur 10 dabei. Unsere Wohnmobilfreunde haben uns aufgeklärt. Das ist zu wenig! Aber Copy- Shops findet man in Tarifa schnell. So, jetzt brauchen wir nur noch ein bisschen Bier und Wein. Allah verbietet ja den Genuss alkoholischer Getränke, aber wir können uns auf die Dauer nicht mit dem Genuss von Pfefferminztee anfreunden, auch wenn es sicher für die Leber recht erfreulich wäre.

Wintersport

Bisher war Carmen bei ihren sportlichen Aktivitäten noch zurückhaltend, wegen ihrer Herzoperation, aber heute musste es sein. Das Wetter ist trotz Wind angenehm mild. Wir haben im Sommer in Holland oder Dänemark schon eindeutig mehr gefroren.

Und während die Menschen bunte Tücher hochhalten, muss irgendjemand darauf aufpassen, dass sich keine Einbrecher ins Bett legen. Diese Aufgabe übernimmt Mina freiwillig.

Wir bleiben jetzt noch ein bisschen länger in Tarifa weil Sanna eine schwerwiegende Entzündung hat, die mit Antobiotika behandelt werden muss, was in Marokko nicht so einfach wäre. Deswegen wollen wir erst die Fähre nehmen, wenn unsere Sanna wieder gesund ist.

Endlich

Wie schon seit Wochen schien morgens wieder die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Viele aufgeregte Locals wuselten um uns herum. Kites wurden aufgepumpt, Segel aufgeriggt, aber nichts tat sich. Zunächst sah man weit draußen erste Schaumkrönchen, aber in der Lagune tat sich immer noch nichts, nada, niente. Ob das wieder so ein Reinfall wird, wie zu Beginn der Woche? Wind nur bei Playa Chica? Uwe riggt, angesteckt von der allgemeinen Hektik, auch schon Mal auf und plötzlich wird es am Strand ungemütlich kühl und windig. Er ist da! Endlich erleben wir den sagenumwobenen Levante in Valdevaqueros.

Bevor man auf das offene Meer kommt, muss man zuerst durch die Lagune hindurch.

Ach wie schön kann der 2. Advent denn sein?

Ganz weit draußen, schon fast in Afrika gibt es guten Wind. Leider ist das so weit weg, dass unser Teleobjektiv nicht durch den Dunstschleier der aufgewirbelten Gicht hindurch dringt.

Die arme Sanna fand den heutigen Tag gar nicht so schön. Irgendein Juckreiz an der Rute verleitet sie dazu ständig daran zu lecken, sodass schon das rohe Fleisch zu sehen ist. Deshalb haben wir ihr einen grünen Verband gemacht. Mal sehen, was morgen der Tierarzt sagt?

Doch noch Surfen?

Für morgen und übermorgen ist jetzt doch noch einmal Wind vorhergesagt. Also lesen wir und genießen das angenehme Sommerwetter. Wir wissen ja, dass man es in Marokko nicht besser haben kann. Wind ist dort bei der derzeitigen Wetterlage auch nicht und solche überragend schönen Strände, die auch noch europäischen Komfort und Sicherheit bieten, gibt es nicht viele auf dieser Welt. Unser Sohn hatte uns zwar immer von Tarifa vorgeschwärmt, aber wir haben immer geglaubt, dass dieses Starkwind-Revier für uns etwas zu heftig ist. Uns hatte ja niemand verraten, dass es im Winter hier lange Schönwetter-Perioden ohne Wind gibt. Immer wurde nur von fliegendem Sand und durchgeschüttelten Wohnmobilnächten berichtet. Wir sind jetzt fast 14 Tage an der Costa de la Luz und hatten nur Traumwetter. Wir würden ja gerne Mal das wilde Tarifa erleben, bevor wir abreisen. Also müssen wir die Zähne zusammenbeißen und weitere Tage lesend im Liegestuhl verbringen.

Vorbereitung für eine Saharadurchquerung

Carmen hat heute nur am Strand gelegen und die Reiter beobachtet und Uwe hat nach Gesprächen mit Womonachbarn den ganzen Tag mit Checken von Elsa zugebracht. Positiver Nebeneffekt von Uwes Bemühungen: Es ist jetzt in allen Ritzen sauber und wir haben hoffentlich den Stromfresser von unserer Starterbatterie abgekoppelt. Unser Plan steht jetzt auch fest, die Route nach Dakhla ist geplant und am Montag, wenn hier eine Regenfront durchzieht, soll es losgehen.

Levante

Für heute war heftiger Levante angekündigt. Als es gegen Mittag in Valdevaqueros immer noch ruhig war, beschlossen wir nach Tarifa zum Entsorgen und Gastanken zu fahren. Dort staunten wir nicht schlecht. Obwohl Tarifa nur 10 km entfernt ist, Luftlinie wahrscheinlich noch wesentlich weniger, ballerte dort bereits der Wind. Wir fuhren zum Balneariostrand und das was dort abging, war selbst Uwe zu heftig, zumal der Wind schräg ablandig blies.

Oberhalb des Hafens steht dieser malerische Turm.

Man kann von dort die Düne von Punta Paloma sehen und dort war kein Kite am Himmel. Wir sind dann noch die anderen Spots Los Lances und Campo de Football abgefahren, aber überall war der Wind zu schwach. Kann man sich fast nicht erklären.

Das ist der Blick ins Mittelmeer vom Hafen von Tarifa aus. Die Einheimischen nennen diesen Strand Playa Chica.

Etwas frustriert sind wir dann noch Mal nach Punta Paloma zurückgekehrt, mit neuen Vorräten und ohne Abwasser, aber auf dem Wasser waren wir nicht.

Wir haben allerdings noch entdeckt, dass Tarifa auch durchaus für einen Kneipenbummel taugt und auch nette Läden zum Shoppen hat.

Diese Aussicht genießen wir abends aus der Frontscheibe unseres Wohnmobils und sind schnell wieder mit unseren fehlenden Surferlebnis des heutigen Tages versöhnt. Wir kennen das ja schon, wir waren jahrelang in Leucate und haben nie Wind erlebt und in Klitmøller ging es uns nicht anders.

Fake News

Eigentlich war für heute Levante angekündigt. Viele Surfer und Kiter sind heute morgen schon voller Vorfreude angereist, aber nichts tut sich. Also machen wir wieder einen gemütlichen Faulenzertag. Sommer im Dezember, man kann es kaum glauben, wie heiß es ist. So haben wir uns Überwintern vorgestellt.

Auf diesem Bild sieht man, dass es hier weit und breit nichts gibt. Außer einem Parkplatz auf dem Wohnmobile stehen. Hoffentlich bleibt das noch ein paar Jahre so.

Uns gefällt es hier so gut, dass wir hier sicher nicht zum letzten Mal waren.