Lesetage

Aus unserem rollenden Schlafzimmer hatten wir diesen wunderschönen Blick auf den Stausee von Bravura.

Wir haben heute wieder mal Lust auf einen faulen Tag. Das wird so langsam eins unserer Hobbys. Wir besorgen noch schnell ein paar Lebensmittel, die wir für Amalchen brauchen und dann widmen wir uns dem Dolce fare niente.

Als erstes steuern wir einen Stellplatz an, der wie ein Adlerhorst über der Küste thront (Miradouro do Castelejo). Uwe ist hin und weg. Hätte er doch nur seinen Gleitschirmkurs schon gemacht!

Anschließend sehen wir uns den Strand unterhalb an. So langsam dämmert uns, dass die portugiesische Polizei hier ein echtes Problem mit deutschen Aussteigern hat, die hier in Portugal in heruntergekommenen Lieferwagen leben.

Der Praia da Cordoama war natürlich auch wunderschön, aber wir fanden unserer Nachbarn etwas gewöhnungsbedürftig.

Wir beschließen einen weiteren Stellplatz anzufahren und der ist es dann! Blick zum Cabo de São Vicente! Normale Urlauber als Nachbarn! Was wünscht man sich mehr?

Diese Aussicht hatten wir beim Abendessen. Wir werden oft gefragt, warum wir keinen Fernseher dabei haben. Aber braucht man das noch bei dieser Aussicht?

Algarve

Ob so ein Weißwasserwaschgang wirklich Spass macht? Müssen wir demnächst auch mal mit unserem Bodyboard probieren.

Unser Übernachtungsplatz Praia do Amado gehört wohl zu den letzten Lichtblicken hier an der Algarve. Dann beginnt die Massenabfertigung und es wird voll. Carmen war ja schon Mal vor 40 Jahren hier und ist entsetzt. Früher gab es hier viele kleine Örtchen und Campingplätze. Jetzt versucht man die Camper zu vertreiben. Die Landschaft ist komplett zersiedelt mit Luxusvillen. Mit Wohnmobil darf man hier nichts mehr. Der Nachteil der Algarve ist ihre Schönheit und das angenehme Klima. Deshalb wollen hier viel zu viele Menschen Urlaub machen und die Billigflieger bedienen diesen Markt. Man kann von Deutschland aus im Winter für rund 10 Euro hierher fliegen. Ob das letztendlich gut und richtig ist?

Für Mina fanden wir hier zwar eine Tierklinik, die wir sofort in Deutschland besuchen würden. Kompetentes, Englisch sprechendes Personal, alles vom Feinsten. Nur wir sind hier mit unserer Elsa nicht erwünscht. Andere Wohnmobilfahrer erzählen von nächtlichen Polizeirazzien, um die Wohnmobile zu vertreiben.

Boca da Rio zwischen Lagos und Sagres gilt noch als der letzte Ausweichspot und „Geheimtipp“ an der Algarve, aber uns gefällt es nicht wirklich, weil der Strand sehr klein und steinig ist. Außerdem sieht man schon an dem Baukran im Hintergrund, dass der Hügel mit Villen oder Hotels bebaut wird.

Ein Saarländer empfiehlt uns einen Stausee (Da Bravura) in den Bergen, aber auch der ist  lange nicht so schön, wie andere. Morgen sehen wir weiter.

Faul sein….

Wer kennt dieses Pippi Langstrumpflied? Dieses Motto haben wir uns heute zu eigen gemacht und außer Lesen und einem kleinen Spaziergang auf dem Klippenwanderweg nichts gemacht.

Sanna ist froh, dass sie wieder im Sand wühlen kann.

Man sieht, dass der Küstenverlauf sich hier grundlegend geändert hat. Es gibt jetzt keine Dünenstrände mehr, sondern Felsküste mit eingelagerten Sandbuchten.

Am Nachmittag sind wir dann zu unserem nächsten Nachtquartier aufgebrochen. Zuerst sehen wir uns Praia do Vale dos Homens an. Hier ist es eigentlich sehr schön, aber weil wir morgen mit Mina nochmal zum Tierarzt müssen, fahren wir noch 30 Kilometer weiter in Richtung Sagres.

Unser Tagesziel ist somit Praia do Amado, mal wieder eine Wellenreiter-Hochburg.

Man sieht mit welcher Gewalt die Wellen gegen die Felsen schlagen und kann den Mut der Wellenreiter nur bewunder, die sich hier aufs Wasser trauen.

Durch die Gicht liegt ständig ein leichert Dunstschleier über dem Wasser.

Zum Ende des Tages wird dann wieder ein Sonnenuntergang fotografiert.

Dieser Wohnmobilstellplatz ist schon relativ gut besucht, von der Einsamkeit des Nordens bemerkt man hier nichts mehr. Wir sind hier schon an der Algarve, dem Ziel vieler Überwinterer. Angeblich wird es an den malerischen Felsenstränden noch voller.

Das Meer ruft

Am Stausee von Monte da Roca kann man freilaufende Schweine und Federvieh jagen, daher müssen wir hier weg, sonst halten die Hundedamen uns zu viel auf Trab.

Mittagspause machen wir am Stausee von Santa Clara. Hier gibt es sogar einen Pool im See. Wir verbringen den Nachnmittag mit Lesen, Quatschen und Faulenzen.

Uwe nimmt gleich ein Vollbad. Man muss die Gunst der Stunde nutzen. Carmen duscht lieber im Warmen.

Am späten Nachmittag machen wir uns dann wieder auf in Richtung Küste, weil wir noch einmal Gas und andere Vorräte brauchen, die es hier in der Einöde nicht gibt. Unseren Übernachtungsplatz finden wir am Praia de Nossa Senhora in der Nähe von Almograve.

Unfreiwillige Tour der Barragem

Barragem heißt auf Portugiesisch Staumauer. Wir haben heute Nacht superruhig geschlafen, so ganz ohne Wellenrauschen. Das macht doch einen Riesenunterschied. Wir haben gelesen, mit anderen Wohnmobilfahrern erzählt und getrödelt. Eigentlich haben wir hier nur Leute getroffen, die im Süden überwintern, den Job hingeschmissen haben und die waren zum Teil jünger als wir.

Kurz bevor wir wieder in Richtung Küste aufbrechen wollten, kamen 3 wilde Hunde und normalerweise ist ja Sanna unsere Krawallnudel und Mina die Schlichterin. Daher lassen wir Mina entscheiden, ob sie die anderen Hunde friedlich einschätzt oder nicht. Das ist in 8 Jahren noch nie schief gegangen. Mina ging freundlich wedelnd auf die Hunde zu. Auch die Drei wirkten absolut ruhig und friedlich. Plötzlich ein kurzes Quietschen und Mina hatte eine Riesenbisswunde.

Google sei Dank fanden wir blitzschnell einen Tierarzt in der Nähe, der Mini wieder zusammengeflickt hat. Daher sind wir dann nur bis zum nächsten Stausee gefahren, damit die arme Patientin relaxen kann.

Eigentlich ist der Wasserstand des Stausees Monte da Rocha wesentlich höher, aber es hat wohl noch nicht genug geregnet.

Beja

Unser Stellplatz ist zwar erstklassig, aber mittags haben wir genug gelesen und die Hunde sind auch oft genug die Düne hoch und runter gerannt. Das Wetter lässt auch zu wünschen übrig und lädt eher zum Besichtigen ein. Also hören wir auf unseren Reiseführer und fahren nach Beja.

Dort gibt es eine mittelalterliche Burg und das Kloster Nossa Senhora da Conceicão. Die Klosterkirche ist verziert mit vergoldetem Holzschnitzereien, der Kreuzgang mit kunstvollen Azulejos (Asuleschos gesprochen).

In diesem wunderschönen Kloster hat die Nonne Soror Mariana Alcoforado im 17. Jahrhundert gelebt. Ihr werden die 5 schönsten Liebesbriefe der Welt zugeschrieben, die vor allem durch Rainer Maria Rilkes Übersetzung in Deutschland bekannt sind.

Die Verzierung mit Azulejos hat uns hier besonders gut gefallen.

Dies ist nicht nur eine Kunstinstallation, sondern auch der Eingang der städtischen Wasserwerke.

Auch neue Häuser werden in Portugal mit Azulejos verziert. Diese blauen Fliesen stammen ursprünglich von den maurischen Eroberern, fanden dann aber auch bei den Portugiesen Gefallen.

Und weil wir lernfähig sind, machen wir uns heute bei Tageslicht auf Stellplatzsuche. Wir haben den Barragem do Roxo, einen kleinen Stausee ausgesucht. Stauseen gibt es hier im Alentejo massenhaft, weil diese im Sommer extrem trockene Region unter Wassermangel leidet.

Noch weiter nach Süden

Unser Stellplatz war zwar unmittelbar am Strand, aber trotzdem hässlich. Hinter unserem Womo reihten sich Bauruinen und Bretterbuden-Kneipen aneinander. Am Strand gab es nichts zu meckern, aber wenn der Gesamteindruck so furchtbar ist, zieht es uns weiter.

Zu unserer Überaschung sieht der Stellplatz auf den Fotos gar nicht so übel aus wie in Wirklichkeit.

Unser Reiseführer preist die Lagoa de Albufeira zum Windsurfen an. Eigentlich hätten wir uns das ja denken könne. Schulz denkt, sich auf ein Brettchen stellen und bunte Segel festhalten, wäre Windsurfen. Das kann man hier tatsächlich, aber das hat nichts damit zu tun, was uns Spaß macht. Nach Kartenstudium, Wetterapps, Stellplatzapp und Google Maps entscheiden wir uns, den Mündungstrichter des Rio Sado zu umfahren und südlich davon nochmals auf Stellplatzsuche zu gehen. Carmen war vor 40 Jahren schon mal hier und fragt sich, wie sie damals nur mit Landkarte wieder nach Hause gefunden hat.

Den Hunden gefällt es besser, wenn das Wasser so ruhig ist wie in dieser Lagune.

Der Stellplatz, den wir ausgesucht haben, ist einfach nur genial. Er liegt mitten im Nirgendwo und damit man sich nicht zu einsam fühlt, sind noch 5 andere Wohnmobile da. Das Einzige was nicht klappt ist das Wetter. Die Apps sagen Sonnenschein, in Wirklichkeit ist es ein bisschen trüb.

Die Strandkneipe hatte leider schon geschlossen, daher müssen wir uns unseren Sundowner aus dem Kühlschrank holen.

Planänderung

Eigentlich gibt es hier in der Gegend so viele Orte, denen wir einen 2. Besuch abstatten wollten und es sollte nach unseren Wetterapps auch schön sein, aber wie man sieht, sieht man nichts.

Also lassen wir das tolle Mittelalterörtchen Obidos weg, die Felseninselchen von Peniche, Ericeira und das großartige Cabo da Roca und fahren 100 km nach Lissabon.

Vorher geben wir dem Boca do Inferno noch eine Chance uns zu begeistern. Wir waren hier schon einmal bei brütender Hitze und spiegelglattem Wasser. Dabei konnte man nichts entdecken. Heute ist zumindest ein bisschen Seegang und sofort hört man gruseliges Drachenfauchen aus einem Loch im Fels. Angeblich schießen hier manchmal riesige Fontänen aus dem Loch. Heute war nur Nebel zu sehen, was aber den Eindruck verstärkte, dass dort unten ein Ungeheuer haust.

Dieses eher unscheinbare Loch ist verantwortlich für das gruselige Drachenfauchen.

Unser Reiseführer empfiehlt den Torre de Belem in Lissabon als idealen Übernachtungsplatz. Wir hatten 2016 schon unsere Zweifel, haben es aber auf die Jahreszeit geschoben und noch einmal vorbeigeschaut. Das Tejoufer am Torre de Belem ist eine Partymeile. Man kann versuchen einen Parkplatz zu finden, aber sonst auch nichts.

Am Ufer des Tejo steht das Padrão dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen), das 33 Entdecker (Luís Vaz de Camões, Vasco da Gama, Ferdinand Magellan u.a.) zeigt. Dahinter sieht man die berühmte Brücke des 25. April.

Der Torre de Belem stand ursprünglich auf einem Felsen im Mündungstrichter des Tejo, mittlerweile steht er durch Ablagerungen des Tejo fast am Ufer.

Lustig fanden wir diesen Öko-Smoothie-Verkaufsstand. Der ist so Öko, dass man den Mixer per Fahrrad antreiben muss.

Leider haben wir durch die vielen Sehenswürdigkeiten ein bisschen die Zeit aus den Augen verloren und vergessen, dass wir auch noch auf der anderen Seite des Tejo ein Nachtquartier finden müssen. Zum Glück gibt es Apps und nach dem 2. Anlauf finden wir ein relativ ruhiges Nachtqaurtier am Praia da Fonte da Telha.

Batalha

Das Meer an einem unserer Lieblingsorte ist heute morgen extrem aufgewühlt. Die Gicht verursacht einen feinen Dunstschleier. Obwohl die Sonne scheint ist heute kein Strandlesewetter.

Daher fahren wir nach Batalha, was übersetzt Schlacht heißt. König João hat dieses Kloster zum Dank für den Sieg, in einer eigentlich aussichtslosen Schlacht gegen die Spanier, im manuelinischen Stil bauen lassen.

Eigentlich hatten wir vorher noch nie etwas von diesem Kloster gehört und waren bereits 2016 wahnsinnig beeindruckt. Statisch gesehen war die Konstruktion für die damalige Zeit so gewagt, dass der Baumeister mehrere Tage unter dem Deckengewölbe wohnte, um Vertrauen in seine Bautechnik zu demonstrieren.

Wir können nur sagen, dass wir Batalha großartig finden.

Nach dem obligatorischen Picknick fahren wir wieder an die Küste. Wir wollen nach Nazaré zum Big-Wave-Kontest. Schließlich wurde eine der Rekordwellen mit 22 Metern auch an einem 1. November gesurft. Was früher der Schrecken der Fischer war und als Witwenmacher bezeichnet wurde, hat jetzt dem ganzen Ort einen neuen Boom beschert. Der Grund für die ungewöhnlich hohen Wellen hier ist ein riesiger Unterwassergraben.

Wir haben nur kleine Wellen erlebt, aber selbst dabei verschlägt es einem schon die Sprache.

Vom Leuchtturm aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Unterstadt von Nazaré.

Die Bilder sehen eigentlich nicht spektakulär aus, aber es fehlen ja auch die Geräusche und das Spritzwasser der Gischt. Es gab einige Leute, die sich nicht getraut haben, die Stufen neben dem Leuchtturm hinunter zu steigen.

Das ist zum Glück nicht Uwe, sonst hätte Carmen wieder Blutdruckprobleme bekommen.

Vom Leuchtturm aus entdecken wir unser heutiges Nachtlager am Praia do Norte.

Offroad-Erfahrung

Wir nutzen den Vormittag zu einem Großreinemachen und lernen dabei die beiden Waschfrauen kennen.

Diese beiden 4 Monate alten Katzenkinder werden vom Campingplatzteam großgezogen und wohnen zurzeit vor der Waschmaschine. Dort ist es trocken und warm.

Wir ändern unsere Pläne. Die Wälder in dieser Region sind stark durch den Hurrikan Leslie in Mitleidenschaft gezogen. Unsere Traumstrände sind nur über verzweigte Pisten erreichbar. Das geht bei der Verwüstung und dem Windbruch im Wald zur Zeit sicher nicht.

Daher fahren wir nach Süden. Nördlich von Nazaré haben wir noch einen Lieblingsort und der ist nicht so stark von den Auswirkungen des Hurrikans betroffen.

Die Mittagspause verbringen wir wieder an einem Riesenstrand, allerdings mit Nordsee-Sommerwetter.

Ein anderer Wohnmobilfahrer beschreibt die portugiesischen Strände als eintönig. Wir verstehen das nicht und sind immer wieder begeistert von den unendlichen Dünenstränden im Norden Portugals.

Wir können natürlich der Versuchung nicht widerstehen und müssen zumindest in das Waldstück fahren, wo wir 2016 am Strand gestanden haben. Die Zufahrt von Norden ist eine Katastrophe. 8 Kilometer übelste Piste. Allerdings sind die Waldarbeiter schon fleißig mit dem Beseitigen der umgefallenen Bäume beschäftigt. Wenn Strandwetter wäre, könnte man also durchaus hier bleiben.

Und weil wir heute erst 15 km Piste gefahren sind, reitet uns das Teufelchen und wir beschließen nach der Empfehlung unseres Reiseführers das Kap Mondego auf einer Piste zu umrunden. Die warnende Stimme unseres Navis schalten wir einfach ab. Am Anfang bieten sich tolle Ausblicke, aber dann….. Zumindest wissen wir jetzt wozu man einen Allradantrieb braucht und Uwe ist stolz die Kenntnisse aus seinem Fahrtraining anwenden zu können. Als Beifahrer ist das natürlich immer schwerer auszuhalten und Carmen misst sicherheitshalber ihren Blutdruck erst wieder morgen früh. Vor lauter Aufregung haben wir natürlich komplett vergessen davon Bilder zu machen.

Als wir uns dem Stellplatz von Pinheira nähern, merken wir, dass die Informationen der Einheimischen richtig sind. Der Hurrikan scheint wirklich nur zwischen Praia da Mira und Figueira da Foz auf die Küste getroffen zu sein. Ein paar Kilometer weiter sind keine Schäden an Gebäuden und Wäldern mehr zu sehen.