Hab ne Tante in Marokko…..

Das ist natürlich Quatsch, aber dieses Lied hat mir meine ehemalige Chefin immer vorgesungen, wenn ich erzählt habe, dass wir Weihnachten 2018 in Marokko sind. Wir stehen schon im Morgengrauen auf und fahren nach Tarifa in den Hafen.

Wir wollen die 11 Uhr-Fähre von FRS nehmen. Wie immer ist es komplett stressfrei. Nur extrem wenig andere Womos. Wir haben keine Ahnung, aus welchem Grund alle anderen zu Carlos nach Algeciras fahren. Hier kostet es 10 € für Hin- und Rückweg mehr, aber dafür muss man keine 25 km fahren und Tarifa ist winzig und Algeciras ist der Wahnsinn.

Die Fähre legt total pünktlich ab, man kann alle Einreiseformalitäten an Bord erledigen, die Hunde müssen nicht mehr unter Deck bleiben, alles ist eigentlich angenehmer geworden.

Die Überfahrt ist bei strahlend blauem Himmel sehr angenehm. Wir sehen sogar Delfine, haben es aber nicht geschafft sie zu fotografieren. 35 Minuten später sind wir in Tanger und auch hier ist alles entspannt. Letztes Mal musste man sich bereits unmittelbar neben dem Zöllner gegen Schlepper zur Wehr setzen. Das ist Geschichte. Alles ist mittlerweile ganz unaufgeregt. Fast ein bisschen schade. Was soll man denn jetzt daheim erzählen? Der Zoll kontrolliert lediglich unsere Besteckschublade und fragt nach Waffen, aber nach sonst nichts.

Pünktlich kommen wir im Hafen von Tanger an.

Um 13:30 sind wir in Asilah. Man kann tatsächlich nicht mehr frei am Hafen stehen. Aber man kann noch parken und in den Gassen bummeln. Obwohl die Händler in Asilah noch sehr zurückhaltend sind, strengt das Gequatsche schon nach kurzer Zeit an. Wir gehen erst einmal zum Geldautomaten, dann zu einem Maroc-Telecomladen. Weil wir ihn nicht finden, brauchen wir einen Schlepper. Gut, das kostet immer ein paar Dirham, aber wir bekommen in 2 unterschiedlichen Kramläden einmal die Sim-Karten und in dem anderen die Guthabenkarten. Es ist nämlich Samstag und der offizielle Laden hat geschlossen. Im Soukh lassen wir Sannas Hundehalsband für 1€ nähen und kaufen eine Tasche für 2,50€. Wahrscheinlich war das überbezahlt, aber das Handeln müssen wir noch üben. Carmen hat immerhin den Taschenverkäufer von 3€ runtergehandelt.

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Ob Mischa sich darauf eingelassen hätte, mit uns in dieser kitschig-rosa Kutsche durch Asilah zu fahren?

Anschließend fahren wir zum Motel Briech, dass auch einen Wohnmobilstellplatz hat. Er ist sehr teuer für marrokanische Verhältnisse, nämlich 12€, aber das gönnen wir uns. Man hat sonst einfach keine Ruhe vor Händlern und Schleppern.

Auch hier ist das Eingangsportal etwas skurril, fast fühlt man sich wie im Disneyland.

Andalusien – Costa del la Luz – Fazit

Reisezeit

Der Spätherbst und frühe Winter sind wohl die günstigsten Reisezeiten für Womotouristen. Im Sommer ist es hier sicher zu heiß und zu voll. Um diese Jahreszeit gibt es nur wenige Überwinterer, so dass die Guardia Civil beim Freistehen die Augen zudrückt.

Stellplätze

Für die Hauptsaison gibt es hier einige Stellplätze, die man wohl besser Abstellplätze nennen würde, um diese Jahreszeit sind sie allerdings geschlossen.Daher kann man fast überall frei stehen. Überwintererplätze, wie wir sie an der Algarve gesehen haben, gibt es hier keine, weil hier ein anderes Klientel Urlaub macht. Hier findet man vor allem Windsurfer und Kiter, auch wenn wir während unseres Aufenthalts damit kein Glück hatten.

Sehenswürdigkeiten

Die Hauptsehenswürdigkeiten der Costa del la Luz sind die tollen Strände. Sehenswerte kleine Orte gibt es hier nicht, nur die häßlichen Urbanización. Begeistert hat uns Sevilla, hier kann man sich problemlos mehrere Tage aufhalten. Auch die Straße der weißen Dörfer ist sehenswert. Allerdings haben wir hier wenige andere Womotouristen getroffen. Auch die römische Ausgrabungsstätte Baelo Claudia hat uns gut gefallen. Obwohl es kostenlos ist, war das Gelände fast leer.

Schlusswort

Die Gegend im Süden bei Tarifa setzt hauptsächlich auf den Wind- und Wassersport. Nichtsurfern kann man diese Gegend wohl nur in Ausnahmefällen zumuten. Angeblich wird man hier manchmal tagelang gesandstrahlt. Leider haben wir das nicht erlebt. Wenn wir persönlich etwas zum Überwintern suchen würden, würden wir uns wohl für diese Region entscheiden. Wir könnten es hier aushalten und manchmal Ausflüge nach Cadiz, Sevilla und Marokko machen. Für uns wäre das die richtige Mischung: im Dezember sind es hier noch 20 Grad, manchmal ist Wind, genau das, was wir suchen.

Abschiedstag in Valdevaqueros

Wir genießen noch einmal einen letzten, wunderschönen Tag in Valdevaqueros. Der Abschied fällt uns richtig schwer, weil es uns hier von Tag zu Tag besser gefallen hat. Das haben wir bisher auf unserer Reise noch nicht erlebt. Normalerweise müssen wir immer weiter, etwas Neues entdecken. Wir kommen auf jeden Fall noch einmal hierher zurück. Aber jetzt geht es erst einmal nach Afrika, morgen nehmen wir die 11 Uhr-Fähre nach Tanger.

Sanna und Mina wollen scheinbar nicht mit. Sie haben eine schwedische Familie aus Malmö um Asyl gebeten. Leider sind die Bilder nicht auf der Speicherkarte gelandet, wir sind so entspannt, dass wir vergessen hatten, die Karte wieder in den Fotoapparat zu stecken.

Entwarnung

Alles gut, wir fahren nicht nach Hause! Man lernt nie aus! Gestern Abend hat unser Sohn angerufen und uns erzählt, dass es in Tarifa einen deutschen Oralchirurgen gibt. Dort sind wir dann schnell hingefahren, obwohl die Arzthelferin uns am Telefon abwimmeln wollte. Der Arzt war großartig und hat sich alles angeschaut und sich die Röntgenbilder der spanischen Kollegin und des deutschen Arztes kommen lassen und von einer OP abgeraten und gemeint, dass wir nach Marokko können. Blöd ist, dass die spanische Ärztin nicht verraten wollte, dass ein Spezialist um die Ecke ist und dass es der ADAC nicht wusste, obwohl er ja genau damit wirbt.

Zur Entschädigung gab es dann noch einen Superwindtag. Bei solchen entfesselten Urgewalten trauen wir uns (noch) nicht aufs Wasser. Aber wir wollen daran arbeiten und sind erst einmal glücklich, dass wir unserer Reise fortsetzen können. Allerdings wurde uns abgeraten, schon morgen nach Marokko überzusetzen weil die armen Hundetiere die Überfahrt im Wohnmobil unter Deck verbringen müssten und wir nicht wissen, ob sie bei dem Geschaukele seekrank werden. Aber dann wohl übermorgen, wenn nichts mehr dazwischen kommt, verlassen wir den europäischen Kontinent.

Schlechte Nachrichten

Eigentlich fing dieser Tag mit Supernachricht vom Tierarzt an. Wir haben Sanna so erfolgreich vom Lecken abgehalten, dass alles abgeheilt ist und wir nach Marokko können. Weil sich bei Carmen das Zahnfleisch ein bisschen entzündet hat und der Kardiologe Zuhause immer gewarnt hat, dass frühzeitig gegengesteuert werden muss, ist Carmen dann zum Zahnarzt. Die Zahnärztin konnte leider nur Spanisch und Carmens Spanischkenntnisse sind nicht überragend. Sie hat dann aufgrund der Röntgenbilder entschieden, dass ein Weisheitszahn gezogen werden muss und dass Carmen dafür am besten nach Deutschland zurückkehre. Das sind dann immerhin 2000 km.

Nach einem Telefonat mit Carmens Zahnarzt zuhause, der ihr vorsichtshalber schon einen OP Termin vorgemerkt hat, versucht Carmen über den ADAC Informationen zu bekommen. Der war leider sehr inkompetent. Sie schicken uns in eine Klinik, die überhaupt keine ZahnOP durchführt. Zum Glück fanden wir dort eine nette sprachgewandte Internistin, die für uns im Internet eine Klinik sucht und dort werden wir morgen vorstellig und entscheiden, wie es weitergeht. Das Fazit des Tages: Die tierärztliche Versorgung in Spanien ist super, alle Tierärzte, wir waren in 4 verschiedenen Praxen, sprachen ausgezeichnet Englisch und waren sehr kompetent. Bei den Humanmediziner haben wir bisher noch keine so guten Erfahrungen gemacht und was eigentlich das Schlimmste ist, der ADAC beschäftigt an der Notfallhotline extrem ahnungslose Mitarbeiter.

Waschtag

Heute mussten wir mit unserer armen Hundemaus noch einmal zum Tierarzt. Die Entzündung ist zwar schon besser, aber wir müssen noch einmal wieder kommen. Sanny bekommt wieder 2 Spritzen und findet den netten Tierarzt so schrecklich, dass sie ihn keines Blickes würdigt. Wir. machen das Beste aus der verzögerten Abreise und machen noch einmal Hausputz. Marokko soll ja schließlich einen guten Eindruck von uns haben. Der Reisedreck von 3 Monaten wird von Uwe mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet, Carmen wäscht noch einmal alle Hundeunterlagen, damit sich Sannas Bakterien nicht wohl fühlen und dann auch noch unsere verschwitzten Shirts. Hier gibt es nämlich für Camper etwas Geniales: Eine Tanke, mit Entsorgung, Versorgung mit Frischwasser und Gas, Waschsalon, Hochdruckreiniger und Hundewäsche.

Außerdem müssen wir ja noch 20 Kopien von unseren Fiche machen. Ein Fiche ist in Marokko ein Dokument mit den Personalien. Die marokkanische Polizei, will von Ausländern von Zeit zu Zeit alle möglichen Angaben und wenn man kein vorgedrucktes Formular mit allen Angaben dabei hat, wird daraus, aus welchem Grund auch immer, eine zeitraubende Geschichte. In unserem Reiseführer stand, dass man 50 Fiche braucht. Wir konnten das nicht so wirklich glauben und haben nur 10 dabei. Unsere Wohnmobilfreunde haben uns aufgeklärt. Das ist zu wenig! Aber Copy- Shops findet man in Tarifa schnell. So, jetzt brauchen wir nur noch ein bisschen Bier und Wein. Allah verbietet ja den Genuss alkoholischer Getränke, aber wir können uns auf die Dauer nicht mit dem Genuss von Pfefferminztee anfreunden, auch wenn es sicher für die Leber recht erfreulich wäre.

Wintersport

Bisher war Carmen bei ihren sportlichen Aktivitäten noch zurückhaltend, wegen ihrer Herzoperation, aber heute musste es sein. Das Wetter ist trotz Wind angenehm mild. Wir haben im Sommer in Holland oder Dänemark schon eindeutig mehr gefroren.

Und während die Menschen bunte Tücher hochhalten, muss irgendjemand darauf aufpassen, dass sich keine Einbrecher ins Bett legen. Diese Aufgabe übernimmt Mina freiwillig.

Wir bleiben jetzt noch ein bisschen länger in Tarifa weil Sanna eine schwerwiegende Entzündung hat, die mit Antobiotika behandelt werden muss, was in Marokko nicht so einfach wäre. Deswegen wollen wir erst die Fähre nehmen, wenn unsere Sanna wieder gesund ist.

Endlich

Wie schon seit Wochen schien morgens wieder die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Viele aufgeregte Locals wuselten um uns herum. Kites wurden aufgepumpt, Segel aufgeriggt, aber nichts tat sich. Zunächst sah man weit draußen erste Schaumkrönchen, aber in der Lagune tat sich immer noch nichts, nada, niente. Ob das wieder so ein Reinfall wird, wie zu Beginn der Woche? Wind nur bei Playa Chica? Uwe riggt, angesteckt von der allgemeinen Hektik, auch schon Mal auf und plötzlich wird es am Strand ungemütlich kühl und windig. Er ist da! Endlich erleben wir den sagenumwobenen Levante in Valdevaqueros.

Bevor man auf das offene Meer kommt, muss man zuerst durch die Lagune hindurch.

Ach wie schön kann der 2. Advent denn sein?

Ganz weit draußen, schon fast in Afrika gibt es guten Wind. Leider ist das so weit weg, dass unser Teleobjektiv nicht durch den Dunstschleier der aufgewirbelten Gicht hindurch dringt.

Die arme Sanna fand den heutigen Tag gar nicht so schön. Irgendein Juckreiz an der Rute verleitet sie dazu ständig daran zu lecken, sodass schon das rohe Fleisch zu sehen ist. Deshalb haben wir ihr einen grünen Verband gemacht. Mal sehen, was morgen der Tierarzt sagt?

Doch noch Surfen?

Für morgen und übermorgen ist jetzt doch noch einmal Wind vorhergesagt. Also lesen wir und genießen das angenehme Sommerwetter. Wir wissen ja, dass man es in Marokko nicht besser haben kann. Wind ist dort bei der derzeitigen Wetterlage auch nicht und solche überragend schönen Strände, die auch noch europäischen Komfort und Sicherheit bieten, gibt es nicht viele auf dieser Welt. Unser Sohn hatte uns zwar immer von Tarifa vorgeschwärmt, aber wir haben immer geglaubt, dass dieses Starkwind-Revier für uns etwas zu heftig ist. Uns hatte ja niemand verraten, dass es im Winter hier lange Schönwetter-Perioden ohne Wind gibt. Immer wurde nur von fliegendem Sand und durchgeschüttelten Wohnmobilnächten berichtet. Wir sind jetzt fast 14 Tage an der Costa de la Luz und hatten nur Traumwetter. Wir würden ja gerne Mal das wilde Tarifa erleben, bevor wir abreisen. Also müssen wir die Zähne zusammenbeißen und weitere Tage lesend im Liegestuhl verbringen.