Von Arcos ans Meer

Heute stimmt das Wetter wieder, 20 Grad und Sonnenschein, das passt zum Stadtbesuch. Auch unser Palmenstrand sieht gleich ganz anders aus.

Der Kirchturm der Parroquia De Santa María.

Aussicht vom Mirador de Abades. Die Häuser stehen alle extrem dicht am Abgrund. Man hat insgeheim die Befürchtung, dass das nicht mehr lange gut geht.

Die Straßen sind hier so eng, dass selbst ein 500 er Fiat Probleme beim Durchkommen hat.

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Schade ist, dass man viele Gebäude leider nur von außen besichtigen kann ,weil sie sich in Privatbesitz befinden.

Danach geht es wieder ans Meer. Das Studieren unseres Reiseführers hat uns schon vorher klar gemacht, dass es mit einem Stellplatz am Meer schwierig werden könnte. Wir sind ja auch immer noch sehr anspruchsvoll. Die Aussicht muss stimmen und der Strand und das ganze Ambiente. Drei Plätze verschmähen wir, der Vierte in Conil gefällt uns dann.

Arcos – Straße der weißen Dörfer

Wir trödeln wieder Mal schrecklich und machen uns erst um die Mittagszeit auf den Weg nach Arcos. In Arcos angekommen, entschließen wir uns dann aber, zum Embalse de Arcos de la Frontera, dem Stausee von Arcos, zu fahren um dort zu übernachten. Das Wetter ist einfach nicht schön genug, um Fotos zu machen. Es regnet zwar nicht, aber es ist einfach trüb. Dann hoffen wir mal auf morgen.

Auf der anderen Seite des Sees sieht man Arcos auf dem Hügel liegen. Arcos ist der Hauptort der weißen Dörfer. Die Ruta de los Pueblos Blancos (Straße der weißen Dörfer) ist eine Landstraßenroute in Andalusien. Sie führt in einer teils gebirgigen Naturlandschaft durch eine Reihe von Kleinstädten und Dörfern, die meist auf phönizische und römische Siedlungen zurückgehen Carmen hat während ihres Studiums als Messehostess für das spanische Fremdenverkehrsamt gearbeitet. Die Informationen, die sie damals an interessierte Touristen weitergab, kommen uns jetzt auf unserer Reise zugute.

Sevilla

Sevilla ist wirklich großartig. Wir haben uns beim Besichtigen auf den Alcázarpalast konzentriert und zum Glück schon gestern Abend im Internet Karten bestellt. So waren wir ganz schnell an der endlos langen Warteschlange vorbei. Carmen überlegt, ob sie sich beim Fremdenverkehrsbüro beschweren soll, weil sie hier ohne Ausweiskontrolle und ohne zögern als Rentnerin anerkannt wurde. Das ist harter Stoff fürs Selbsbewusstsein.

Der Palast ist wirklich wahnsinnig prächtig mit orientalischen Fliesen, Gips- und Holzarbeiten verziert. Man fühlt sich wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Über die Jahrhunderte haben die Bewohner diesem Gebäude ihre Stempel aufgedrückt, so dass man hier die unterschiedlichsten Stilrichtungen bewundern kann.

Zum Palast gehören natürlich auch mehrere riesige Gärten, die nach unterschiedlichen Themen angelegt wurden.

Es gab zwar schon orientalische Bäder im Palast, aber die muss man ja nicht mögen. Ob dieses schöne unterirdische Wasserbecken als Bad für Maria Padilla, die Geliebte von Peter I. (der den Beinamen der Grausame trägt weil er seine Halbgeschwister ermorden ließ, um freien Zugang zum Thron zu haben), diente, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen, aber es trägt ihren Namen.

Ein späterer Bewohner hat diese Wandteppiche anfertigen lassen und man sieht, dass Hundehaltung schon damals en Vogue war.

Aber auch der Rest von Sevilla hat uns sehr gut gefallen. Man weiß gar nicht, was man alles anschauen soll. Man könnte es hier tagelang aushalten, bummeln, in den Tapas-Bars sitzen, beim Flamenco und Tango zuschauen. Der Tag vergeht wie im Flug.

Vor der Kathedrale von Sevilla hätten wir uns in eine sehr lange Schlange einreihen müssen, daher haben wir uns mit der Außenansicht begnügt.

Auch manche normalen Wohnhäuser sind so wunderschön, dass wir uns einfach in den Hauseingang schmuggeln und staunen.

Wenn man so müde ist wie dieser Torrero, kann man sich natürlich auch mit der Pferdekutsche fahren lassen.

Unsere Freundin Irma hätte hier ihren Spaß: Tango Argentino tagsüber auf der Straße.

Zum Glück hat Carmen bei Jutta, ihrer Flamencolehrerin schon gelernt, wie der Hase läuft. Flamenco ist gar nicht schwierig. Man muss nur mit einer Drehbewegung Orangen vom Baum pflücken und sie dann wie eine Stahlkugel unter Wasser drücken (Achtung: Insiderwitz für die BT Truppe).

Nach einer kleinen Stärkung in einer der vielen Tapas-Bars bummeln wir durch die Altstadt zurück zu unserer Bushaltestelle und finden noch viele weitere schöne Fotomotive.

Normalerweise würde man die Bushatestelle für die Rückfahrt auf der Gegenseite der Ausstiegshaltestelle vermuten. Leider war dem nicht so. Nach anstrengendem Fußmarsch auf der Suche nach dieser Haltestelle laufen wir verzweifelt wieder zurück zur Ausstiegshaltestelle und wollen den Busfahrer fragen, wo die richtige Haltestelle ist. Dabei stellt sich heraus, dass es sich mehr oder weniger um eine Rundlinie handelt und wir dort einsteigen müssen, wo wir ausgestiegen sind. Muss man halt wissen! Aber glücklicherweise steht der Bus jetzt ja schon da.

Uns hat Sevilla so gut gefallen, dass wir noch einmal wiederkommen wollen und uns sogar ein ganzes Buch über den Alcázarpalast gekauft haben.

Flucht

Eigentlich wollten wir ja bei Super-Sommerwetter mit den Hunden spazieren, lesen, faulenzen… Wir standen zuerst am östlichen Rand zum Nationalpark und merkten gleich, dass man draußen von Mücken überfallen wurde.

Daher haben wir es noch an 2 anderen Stellen versucht, Ergebnis war dasselbe: Mückenstiche!

Fast überstürzt treten wir dann die Flucht an. Carmen wusste zwar von ihrer Reise vor 40 Jahren, dass es hier im Hochsommer Moskitos gibt, aber dass es auch im November noch so schlimm ist, hätten wir nicht gedacht. Da nutzt der schönste Strand nichts, wenn man hinterher aussieht wie ein Streuselkuchen.

Das Mündungsgebiet des Guadalquivir müssen wir weiträumig über Sevilla umfahren. Wir entdecken 5 Kilometer von Sevila entfernt einen netten kleinen Yachthafen am Guadalquivir in dem man mit dem Womo stehen kann. Rundumversorgung mit Waschmaschinen, Trockner und Dusche ist auch gewährleistet.

Dieser Platz ist ein idealer Ausgangspunkt zur Besichtigung von Sevilla und obwohl wir das ursprünglich nicht geplant hatten, ergreifen wir morgen die Gelegenheit beim Schopf. Man könnte von hier aus sogar mit dem Stand-Up-Paddler bis ins Stadtzentrum von Sevilla paddeln, das hätte allerdings den Nachteil, dass man die Besichtigungen im Neo machen müsste.

Fahrtag

Bereits gestern hatte unsere Wetterapp ergiebige Regenfälle vorausgesagt. Wir machen das Beste daraus und fahren nach Süden. Die ersten Strände auf spanischer Seite finden wir auch gleich ganz furchtbar. Spanier lieben scheinbar Retortenorte im Hasenkasten-Baustil. Die Siesta verbringen wir in Puerto Umbria. Der Strand sieht eigentlich ganz nett aus, aber 500 Meter weiter kommt die hässliche Urbanización.

Anschließend umrunden wir die fürchterliche Hafenstadt Huelva. Unser Tagesziel ist Matalascañas. Dieser Retortenort liegt in einem Naturschutzgebiet und ist hoffentlich um diese Jahreszeit ein Geisterort. Denn dieser ehemalige Fischerort ist bekannt für gigantische Dünenstrände. Um diese Jahreszeit liegt der Ort im Dornröschenschlaf, selbst die Anzahl der Wohnmobile ist hier sehr gering. Bilder gibt es heute noch keine, unserer Wetterapp liegt vollkomen richtig damit, dass die Regenfälle ergiebig sind. Das wollten wir unserer Kamera nicht antun.

Portugal – Fazit

Reisezeit

Ein einheitlicher Ratschlag für ganz Portugal lässt sich nicht geben, weil der Norden und der Süden in unterschiedlichen Klimazonen liegen. Der November ist für den Norden Portugals bereits zu spät. Anfangs war das Wetter noch sehr sonnig und warm, dann wurde es sehr schnell neblig und herbstlich ungemütlich. Im Süden an der Algarve ist der November noch sommerlich warm. Es ist noch nicht übermäßig viel Betrieb, weil der größte Teil der Überwinterer erst später kommt. Trotzdem ist im Vergleich zu den anderen Landesteilen schon recht viel los.

Stellplätze

Kommerzielle Stellplätze gibt es nur an der Algarve, weil hier viele Überwinterer sind, die Komfort suchen und denen die portugiesischen Campingplätze zu weit vom Meer entfernt sind. Wir waren 2 Mal auf einem kommerziellen Platz, aber eigentlich braucht man (wir) sie nicht. Im Norden gibt es tolle leere Strandparkplätze und auch im Süden wird man immer fündig, wenn man nicht wie manche Womofahrer gepflegte, gepflasterte, möglichst noch parzellierte Plätze voraussetzt. An der Algarve waren wir oft über das Campingverhalten anderer Womofahrer entsetzt. Sie campieren wochenlang auf Parkplätzen und breiten sich so aus, dass die Parkplätze nicht mehr zu ihrem eigentlichen Zweck genutzt werden können. Das führt sicher dazu, dass die Einheimischen verärgert sind und sich in Zukunft nicht mehr so wohnmobilfreundlich zeigen werden.

Sehenswürdigkeiten

Im Norden Portugals waren wir vor 2 Jahren schon einmal und waren begeistert von den sehenswerten Städten und Bauwerken (Porto, Lissabon, Batalha, Buçaco, Obidos und Guimarães). Im Süden hatten wir den Eindruck, das man nur auf Massentourismus setzt und viele schöne Altstädte und Bauwerke nicht gepflegt werden. Möglicherweise liegt es daran, dass die meisten Urlauber hier nur wegen des guten Wetters herkommen.

Schlusswort

Der Norden Portugals ist für uns ein Sommerreiseziel, auch wenn man dort nicht so oft surfen kann. Portugal ist definitiv ein Wellenreiterland.
Der Süden wäre uns im Sommer zu überlaufen und zu heiß, aber auch der extreme Überwinterungshype schreckt uns eher ab. Wir haben es ja gerne etwas einsamer und beschaulicher. Urspünglich dachten wir, dass die Baragems, die Stauseen im Landesinneren eine Alternative für uns sein könnten, aber im Herbst ist der Wasserstand dort noch sehr niedrig und die Seen laden daher nicht zum Baden ein.

Alles in allem gefällt uns Portugal sehr gut. Es ist landschaftlich wunderschön, aber wir bevorzugen eindeutig die Gegend oberhalb Lissabons. Der Algarve werden wir wohl keinen 2. Besuch abstatten.

Letzter Strandlesetag in Portugal

In der Lagune befinden sich jede Menge Leckereien für Mensch und Tier. Unmittelbar nach Sonnenaufgang geht das geschäftige Treiben und Suchen nach Muscheln oder sonstigem  Getier los.

So ein Grenzübertritt von Spanien nach Portugal will auch in Zeiten der EU wohl durchdacht sein. Aus diesem Grund fahren wir heute nicht weit. In Praia do Cabeco kann man wieder direkt an den riesigen Dünenstrand ohne dass die Lagunenlandschaft den Weg versperrt. Die Hunde genießen das sichtlich. Das Wetter spielt auch mit und daher beschließen wir erst morgen nach Huelva weiter zu fahren.

Tavira

Wir verlassen unser ruhiges Schlafplätzchen in Aldea und schauen uns Tavira an. Der Ort hat noch ein bisschen von dem alten portugiesischen Charme bewahrt. Es gibt viele Häuser mit Azulejos, die Misericordia mit Azulejos und einen Wasserturm, der als Camera obscura genutzt wird. Schade, dass es hier im Süden nur noch wenige Orte wie Tavira gibt. Alles was Carmen hier früher gefallen hat, wurde zugunsten gesichtsloser, austauschbarer Bettenburgen geopfert.

Tavira liegt an dem Flüsschen Gilão und hat viele nette Kneipen und Straßencafés.

Der beschauliche Ort hat sehr viele Kirchen, das ist die Igreja de Santa Maria do Castelo.

Interessant ist das Innere der Misericórdia die mit blauen Azulejos verziert ist.

Über den Fluss führt die siebenbogige sogenannte Römerbrücke, welche aber erst 1655 erbaut wurde. Und da waren die Römer schon wieder zuhause.

In Tavira gibt es noch viele „typische“ Gebäude mit Azulejos und schmiedeeisernen Balkonen.

Zum Schlafen bewegen wir uns wieder in Richtung der Küste, die man allerdings nur mit dem Boot erreichen könnte. Im Östlichen Teil der Algarve haben die Flüsse eine große Lagunenlandschaft entstehen lassen, die den direkten Zugang zum Meer verhindert. Das hat einerseits den Vorteil, dass die Strände nicht mit Hochhäusern zugebaut werden können, andererseits kommt man nur mit Booten direkt an den Strand. Da im Moment das Wetter sowieso nicht zum Baden einlädt, ist es für uns nicht weiter schlimm. Im Hochsommer ist das sicher ein Nachteil.

Faro

Heute ist es wieder einmal sommerlich warm, so dass wir im Freien frühstücken können. Wir lesen und unterhalten uns mit Holländern und Deutschen, die hier schon seit 10 Jahren leben und behaupten, dass hier die schönste Ecke Europas ist. Gut, das Klima ist sehr angenehm! Aber sonst? Bettenburgen soweit das Auge reicht. Speziell hier (Aldeia de Marim) geht es zur Zeit noch, aber in 20 Jahren?

Anschließend sehen wir uns die Altstadt von Faro an. Bisher kennen wir ja nur den Flughafen. Eigentlich schade, wie heruntergekommen hier viele Ecken sind. Uwe entdeckt einen Frisör (original Barbershop) und weil er dringend einen Haarschnitt braucht, setzt Carmen sich solange ins Straßencafé.

Faro vorgelagert ist eine riesige Lagunenlandschaft, ein Seglerparadies mit einem Gewirr kleiner Inselchen.

Wir sehen uns noch andere Plätze an, die die Aussteiger uns genannt haben, aber uns gefällt es in Praia dos Cavacos am besten, weil es soooo ruhig ist und wir kehren noch einmal dorthin zurück.

Wieder alleine

In der Nacht hat es kräftig gestürmt und wir sind froh, unseren Standort schon am Abend in den Windschatten verlegt zu haben. Früh am Morgen bringen wir Lisa und Mali zum Flughafen, geben den Punto wieder ab und fahren an den Praia dos Cavacos, um weitere Pläne zu schmieden. Hier gefällt es uns dann so gut, dass wir über Nacht bleiben. Die Lagunenlandschaft vor Faro hat nämlich einen entscheidenden Vorteil: hier hört man keine Brandung. Ob man es glaubt oder nicht, auf die Dauer stört das laute Geräusch der brechenden Wellen doch den Nachtschlaf.

Uwe nutzt die Zeit, um das Moskitonetz zu reparieren. Hier gibt es nämlich ein Riesenholzdeck, um sich auszubreiten.