Abreise von Nørre Lyngvig

Gestern Abend haben wir noch lange mit unseren Nachbarn aus Kiel und Franken gequatscht und heute soll es nun weiter in den Norden gehen. Der Himmel ist zum ersten Mal seit unserer Abreise bedeckt. Wir wollen zuerst einmal unsere Brot und Gemüsevorräte aufstocken. Dabei fällt uns auf, dass hier kein Mensch Maske trägt und auch das Abstand halten klappt in Deutschland erheblich besser. Übernachten werden wir in diesem Jahr nur auf offiziellen Plätzen, aber davon gibt es ja fast in jedem Segelhafen einen. Früher haben wir in Dänemark, auch in der Hauptsaison, immer nur frei gestanden, aber diese schöne Zeit ist leider vorbei. Es gibt wohl mittlerweile zu viele Wohnmobilfahrer und wir haben ja selbst oft genug gesehen, dass viele nicht sorgfältig genug mit der Entsorgung ihrer Abwässer sind. Bei einem Blick in unsere Windprognose sehen wir dann, dass die Chance besteht, dass heute Mittag Wind aufkommt. Daher fahren wir an den Limfjord nach Ejsingholm in die Venø Bugt und sehen uns die Lage dort an. Dort haben wir schon tolle Surftage erlebt. Auch heute ist Wind, aber auch Regen. Daher machen wir es uns erst Mal Indoor gemütlich.

Hier gibt es eigentlich keine Übernachtungsverbotsschilder und daher sind wir früher immer hier geblieben, aber wie gesagt, dieses Jahr wollen wir in eine Marina, die 5 km entfernt ist. Der CP hier bietet leider kein Quickstopp an und nur zum Schlafen sind uns 30€ zuviel.

Nach dem Mittagessen haben wir noch etwas Wind zum Kiten und Surfen und zum Schlafen fahren wir in die Marina Handbjerg. Wir waren hier letztes Jahr schon einmal, weil es hier sehr heiß war und zahlreiche Mücken uns gepiesackt haben, haben wir es nur kurz ausgehalten und sind dann weiter gefahren. Heute gefällt es uns besser und wir entdecken eine Sauna und eine Badeinsel.

In den kleinen grauen Häuschen ist die Sauna versteckt und man kann von dort aus direkt zum abkühlen in den Limfjord springen. Aber danach ist uns heute nicht, wir waren ja schon im Wasser.

Radtour nach Hvide Sande

Morgens gehen wir mit den Mädels zum Strand.

Es gibt hier viele Eikappseln von Rochen. Wir erinnern uns, dass man sie in Marrakesch im Soukh kaufen konnte und wir dort nach dem Grund gefragt, aber die Erklärung nicht verstanden haben. Angeblich kann man diese Kapseln mit Kräutern gefüllt als Glücksbringer mit sich herumtragen. Wir wissen nicht, ob das stimmt, haben aber gesehen, dass die Kapseln auch bei eBay angeboten werden.

Sanna ist immer noch so schlapp von der gestrigen Radtour, dass wir die beiden Mäuse als Wachhunde da lassen und alleine losfahren.

Ohne unsere Schlittenhunde brauchen wir für die 6 km lange Strecke nur eine halbe Stunde. Hvide Sande bedeutet weißer Sand, der Ort ist eigentlich nur ein Fischereihafen, hässlich und es riecht nach Fisch, weil es hier viele Räuchereien gibt.

Der Ort hat sich 1930 hier um den Kanal zum Meer gebildet. Es ist erst heutzutage möglich, die Verbindung zum Meer offen zu halten. Der Ringkøpingfjord war noch vor 1000 Jahren eine große Bucht mit einem sicheren natürlichen Hafen. Durch die Veränderung von Meeresströmungen wurde soviel Sand abgelagert, dass ein Binnensee entstand, der nur noch 1,50 m tief ist. Toll zum Surfen, aber für die Schifffahrt ein Problem. Viele Projekte zur Öffnung zum Meer scheiterten und erst seit ca. 100 Jahren gelingt es, einen einzigen Kanal zum Meer frei zu halten.

Der einzige Platz, der uns seit Jahren in Hvide Sande gefällt, ist dieses Hausboot, das man mieten kann. Das wäre genau unser Ding, aber während unseres Sabbatjahrs haben wir recherchiert, dass das in Deutschland mit zu vielen bürokratischen Hürden verbunden ist.

Fahrradausflug zum Leuchtturm

Heute ist wieder einmal Kaiserwetter, allerdings ist der Himmel mit ein paar weißen Wölkchen verziert. Gelesen und faul am Strand gelegen, haben wir gestern erst, also fahren wir heute Rad. Ein wunderbar ausgebauter Radweg führt direkt an unserem Platz vorbei. 6 km sind es bis Hvide Sande und 9 km bis Søndervig. Mal sehen, wie lange unsere Hunde durchhalten, denn sie müssen ja nebenher laufen. Als erstes kommen wir an dem Leuchtturm Lyngvigfyr vorbei. Lyngvigfyr wurde 1903 gebaut, normalerweise wären wir 250 Stufen hochgestiegen, aber heute ist uns zu viel Betrieb.

Also radeln wir weiter nach Søndervig durch endlose Dünenlandschaft und Ferienhaussiedlungen.

Auf dem Rückweg machen wir ein Picknick und ein Päuschen am Meer.

Die Hunde sind geschafft und legen sich in den Schatten des Dünengrases, obwohl es eigentlich nicht heiß ist.

Wir sind sicher 15 km geradelt, bergauf und bergab, für uns war es nicht anstrengend, aber vor allem Sanna ist froh, als wir um 14 Uhr wieder am Womo sind.

Der Stellplatz liegt wirklich ideal für Menschen die gerne spazieren, radeln und auch an den Strand wollen.

Und zu guter Letzt erleben wir noch einen grandiosen Sonnenuntergang. Man merkt, dass es auf Mittsommer zugeht, die Sonne geht morgens schon um 4:41 Uhr auf und erst um 22:15 Uhr unter und die Dämmerungsphase ist ungeheuer lang. Man kann noch um 23:00 Uhr drausen sitzen und ohne Licht lesen.

Diese Bilder sind nicht bearbeitet!

Paradiesische Ruhe

Es ist so schön hier und vor allem so ruhig! Außer Vogelgezwitscher hört man wirklich gar nichts. Der Stellplatz liegt zwischen dem Ringkøpingfjord und der Nordsee. Zum Strand muss man nur über die Düne gehen. Dadurch fehlt zwar der Meerblick, den wir so lieben, aber an Dänemarks Nordseeküste sind eben alle Strände hinter Dünen versteckt. Seltsames Getier gibt es hier auch, nämlich Kreuzottern. Das sind zwar Giftschlangen, aber angeblich sind sie nicht angriffslustig und bedrohlich wird es bei einem Erwachsenen erst, wenn er 5 Mal gebissen wird. Nur auf die Hunde, die ja gerne mit allem spielen, was sich schnell bewegt, müssen wir ein bisschen achten.

Bei diesem genialen Sommerwetter liegt unser Tagesprogramm natürlich auf der Hand oder vielmehr im Sand.

Endlich nach Dänemark

Heute soll es also endlich nach Dänemark gehen. Früher hat man den Grenzübergang nicht wahrgenommen, mal sehen, wie es in diesem Jahr wird und ob es vielleicht sogar Staus gibt, weil alle dorthin wollen. Auf jeden Fall ist das Wetter schon einmal großartig. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und es weht ein mildes Lüftchen, genau so wie wir es lieben. Allen Unkenrufen zum Trotz war die Einreise nach Dänemark vollkommen unproblematisch und blitzschnell erledigt. Beim Fährefahren war uns das schon öfter aufgefallen, dass die Dänen wirklich gut sind, wenn es ums Organisieren geht.

Als erstes steuern wir einen unserer Lieblingsorte, den alten Ebbvej nach Mandø an. Die Hunde freuen sich riesig und sauen sich total ein.

In Deutschland würde man Mandø als Hallig bezeichnen. Die Insel ist nur 7 Quadratkilometer groß und nur bei Ebbe über einen Steinwall zu erreichen. Der alte Ebbvej kann nur von Traktoren bei Niedrigwasser befahren werden. Manchmal sieht man auch Reiter, die über den Ebbvej reiten. Die Einwohner der Insel haben sich erfolgreich gegen den Bau einer richtigen Straße gewehrt, weil sie fürchten, dem Ansturm der Touristen nicht gewachsen zu sein. Daher ist Mandø wirklich noch sehr beschaulich.

Falls wir uns jemals in Dänemark ein Haus kaufen, dann muss es so ein wunderschönes altes reetgedecktes Bauernhaus sein, natürlich am Meer mit riesigem Grundstück für Hühner, Pferde, Schafe, Ziegen, Katzen, Hunde und Freunde, die uns besuchen wollen.

Am späten Nachmittag machen wir uns auf zu unserem gebuchten Feriendomizil Norre Lyngvig. Normalerweise mögen wir das überhaupt nicht, wir tingeln lieber spontan durch die Gegend, aber in diesem Jahr ist eben vieles anders und die Dänen wollen, um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten, dass man eine feste Adresse hat. Das leuchtet uns ein und wir werden sehen, ob uns das gefällt. Wir haben uns extra diesen Platz ausgesucht, weil man sehr weitläufig in den Dünen stehen kann und die Plätze nicht in einzelne Parzellen aufgeteilt sind. Jetzt müssen wir nur noch schauen, dass wir uns nicht festfahren. Aber noch bevor wir einen Platz gefunden hatten, wurden wir schon von einem VW-Bus Fahrer um Hilfe gebeten: er hatte seinen VW-Bus im Sand eingegraben.

Wir können nicht verstehen, was Menschen an den Ballermann zieht. Viel schöner ist es doch, wenn man einen riesigen Strand ganz für sich alleine hat.

Mit dieser Art von Campingplatz können wir leben, keiner hat Gartenzwerge und man hat nicht das Gefühl, auf einem Campingplatz zu stehen.

Heimreise

Die Nacht an der Pumpstation war paradiesisch ruhig und morgens entdecken wir dann noch, dass es im Pumpenhaus eigentlich Toiletten gegeben hätte.

Wir fahren zu einem unserer Lieblingsplätze am alten Ebbway, der zur Insel Mandø führt. Hier verbringen wir erst einmal eine gemütliche Mittagspause.

Ingeborg wartet hier schon 400 Jahre auf ihren Ehemann der zur See gefahren ist und nicht mehr zurück kam.

Heute sieht es so aus, dass man bei dem Tidenstand über den alten Ebbvej bis nach Mandø laufen könnte.

Gegen Abend geht es dann noch weiter in Richtung Tönning. Den Stellplatz Eiderblick verschmähen wir dieses Mal. Das ist kein Stellplatz mehr, sondern schon ein richtiger Campingplatz. Wir fahren zur Badestelle Wollersum. Hier steht man wunderschön, mit Eiderblick,

kann schwimmen und den Wildgänsen bei ihren Übungsflügen zuschauen.

Durch dieses Bad wurden vor allem Uwes Füße eher schmutziger. Aber zum Glück gibt es ja Strandduschen.

Besser als Tönning selbst. Gut die tolle Pizzeria fehlt, aber zur Not kann man ja auf dem Marktplatz stehen, Pizza essen und anschließend noch hierher fahren.

Fazit Dänemark

Reisezeit

Wir waren schulferienbedingt schon sehr oft im Juli und August in Dänemark und waren eigentlich immer sehr glücklich damit, dass es hier lange nicht so überlaufen ist wie in den Mittelmeerländern. Nach einem Jahr des Reisens in der Nebensaison ist es uns hier jetzt eigentlich ein bisschen zu viel Trubel. Alles ist eben relativ! Juni und September sind hier sicher angenehmere Reisemonate für Einsamkeitsfanatiker wie uns. Besonders angenehm finden wir eigentlich die vorherschende Westströmung. Wir hatten auch schon früher einmal Phasen mit Ostwinden, dann finden wir es aber zu heiß und die „Belastung“ mit Marienkäfern und ähnlichem Getier nimmt schlagartig zu. Hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber wenn man einmal erlebt hat, dass man bei jedem Schritt dutzende Käfer zerquetscht, findet man das nicht mehr toll.

Stellplätze

Die Dänen haben eigentlich das realisiert, was wir uns immer gewünscht haben. Es gibt massenhaft kleine kommerzielle Stellplätze in Häfen und sehenswerten Ortschaften. Nur leider muss man sagen, dass bei manchen nach unserer Vorstellung das Preisniveau etwas zu hoch ist. 20 € für einen Platz der nichts zu bieten hat außer Toiletten und Duschen finden wir einfach zu viel. Gerne sind wir bereit für eine Übernachtung ohne Strom 100 Kronen (13 €) zu zahlen und glücklicherweise finden wir auch solche Plätze. Die Zahl der freien Übernachtungsplätze hat deutlich abgenommen und manche kommerziellen Plätze haben die Preise im Vergleich zu 2017 fast verdoppelt.

Sehenswürdigkeiten

Das „hyggelige“ Dänemark empfinden wir immer wieder als Gesamtkunstwerk: grandiose Strände, riesige Dünengebiete, gemütliche Ortschaften mit netten Kneipen, schönen Häusern und alles ist immer so wunderbar aufgeräumt.

Zusammenfassung

Dänemark bleibt eines unserer Lieblingsreiseziele im Sommer, weil es nicht so schrecklich heiß ist und die Windbedingungen am Limfjord und am Ringkøbingfjord genau unserer Könnensstufe entsprechen. Einige besonders bekannte Orte wie Klitmøller und Hvide Sande sind zwar sehr teuer geworden, aber es gibt viele vergleichbare Orte mit weniger großen Namen.

Strandtag in Vigsø

Der Stellplatz am Angelteich ist wirklich gemütlich und ruhig und auch vom Preis angemessen. Wir meiden Campingplätze in Dänemark vor allem deswegen, weil sie uns viel zu riesig und überteuert erscheinen, mit einem Animationsprogramm, was uns eher abschreckt.

Weil wir wieder einmal nach Hause müssen, verbringen wir einen letzten schönen Tag am Strand von Vigsø.

Abends fahren wir dann noch einmal in die Klinik nach Ringkøping, um die Krücken abzugeben und schlafen an der Pumpstation Nord des Skjern Å. Diesen Tipp bei Lønborg hat uns ein Däne gegeben. Gibt es also nicht bei Park4Night! Hier gibt es eine lustige Seilzugfähre über den Skjern Å und vor allem himmlische Ruhe und ein paar neugierige Ziegen dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Thisted

Da heute weder Surf noch Strandwetter ist, fahren wir erst einmal nach Thisted zum Bummeln.

Dänische Kirchen sehen eigentlich immer gleich aus und nicht wirklich alt, obwohl auch diese Kirche 1774 auf den Grundmauern einer romanischen Kirche erbaut wurde und daher auch schon über 200 Jahre alt ist.

Es gibt sogar einen kostenlosen Hafenstellplatz. Aber wählerisch wie wir nun Mal sind, müssen wir weiter.

Wir fahren erst einmal nördlich von Hanstholm ans Meer.
Vigsø heißt der tolle Strandparkplatz. Uwe kitet erst einmal. Cold Hawaii kann ja jeder, aber noch 7 km weiter nördlich nur wir.

Zum Übernachten fahren wir dann zu einem Angelverein nach Ræhr, weil andere Womofahrer meinen, dass man am Strand wegen der Nachtparkverbote zahlen muss. Das ist uns zwar noch nie passiert, aber trotzdem…… 10 € für Duschen, Toiletten, Ent- und Versorgung sowie Übernachtung, solche Initiativen unterstützen wir gerne.

Ejerslev

Nachts regnet und gewittert es heftig, aber tagsüber wartet Uwe dann vergeblich auf den angekündigten Wind. Da hat sich Aiolos mit seiner Gattin Eos, mal wieder nachts so verausgabt, dass tagsüber nichts mehr geht.

Daher fahren wir am Nachmittag zum Spazieren nach Hanklit, einer 62 m hohen Erhebung. In Hanklit gibt es ungewöhnliche Gesteinsformationen. Viele Hänge auf Mors sind aus Kieselgur, man nennt es in Dänemark Moler, die dunklen Streifen dazwischen zeugen vom vulkanischen Ursprung der Insel. Es sind nämlich Aschebestandteile.

Man findet hier zahlreiche versteinerte Tiere und Pflanzen aus der Kreidezeit von vor 5 Millionen Jahren. Man könnte hier solche tollen Versteinerungen finden, aber wir haben ja keine Ahnung wie man genau etwas findet (das Suchen können wir schon).

Unsere Funde sind deswegen nicht besonders spektakulär, aber man kann deutlich erkennen, dass auch wir erfolgreiche Paläontologen sind.

Die Nacht verbringen wir nochmals in Flade am Bouleplatz.

Achso: Carmens Fuß ist schon fast wieder in Ordnung, sie kann auf ebenem Boden schon wieder ohne Krücken gehen.